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Reifezeit
Bis in die Kaiserzeit hinein war aller Unterricht in Rom Privatsache. Wir hören wohl von dem Diktator Julius Cüscir, daß er Lehrer der Wissenschaft nach Rom zog und sie durch das römische Bürgerrecht ehrte, ebenso vom Kaiser Augustus, daß er sie reichlich beschenkte — aber von einer Staatsunterstützung erfahren wir erst etwas unter Vespasian und besonders unter Hcidricm, der ihnen Ehre und Reichtum und ein eignes Heim gab, das später wahrscheinlich die berühmte Hochschule Roms wurde. In ähnlicher Weise behandelte sie Antoninus Pins — aber erst unter Mark Aurel hören wir von festem Gehalt, das für diesen oder jenen höhern Lehrer bestimmt wurde. Allseitig sorgte erst Alexander Severus, der auch der ärmern Bevölkerung den Besuch der höhern Schulen ermöglichte. Je mehr sich das Reich der Schulen annahm, um so strenger wurde die Aufsicht. Nach einer Verordnung unter Valentimcm dem Ersten durften nur fleißige und sittsame Jünglinge in Rom studiereu. Auswärtige, die sich unwürdig benahmen, wurden ausgewiesen, nachdem sie aufs härteste bestraft worden waren. Alle Studierenden mußten dem Kaiser in einer jährlich einzureichenden Liste namhaft gemacht werden — die fleißigen und zuverlässigen besonders bezeichnet, damit er sich seine spätern Beamten daraus ausersehen konnte. Das Ganze diente immer mehr den Zwecken des Kaiserreichs als der geistigen Entwicklung des einzelnen Bürgers. In ähnlicher Form wurden auch die Lehrenden kontrolliert nnd durch Verordnungen beschränkt. Die Freiheit der Wissenschaft ging allmählich verloren, und so kam es, daß sich die ins Mittelalter überkommne allgemeine Bildung auf einer ziemlich tiefen Stufe befand.
Reifezeit
Roman von Charlotte Niese (Fortsetzung)
> er Winter geht still dahin. In Bärenburg ist eine Maseruepidemie ! ausgebrochen, und die meisten Familien mit Kindern müssen sich vom Verkehr zurückziehen. Harald hat schon die Masern gehabt, wir sind also nicht betroffen; aber in seiner Klasse sind zwei Knaben an der Krankheit gestorben, und er hat mit auf den Friedhof gemußt und !sie zu Grabe singen. Das macht ihm ein halb schauerliches Vergnügen, und er berichtet eingehend davon an seine drei Rolands.
Die drei kleinen Mädchen kommen noch immer mit großer Regelmäßigkeit, und da ich jetzt weiß, daß ich in Frau Rolands Augen nur meine Pflicht tue, wenn ich sie aufnehme, so löcke ich auch nicht gegen den Stachel. Es wäre dumm, wenn ichs täte, denn es sind drei gute Spielgefährten für Harald, der sich nur zu gern mit ihnen unterhält. Minchen müßte ja nun in die Schule, und ich frage sie jeden Tag, ob sie noch immer nicht lernen soll, aber ich erhalte immer die Antwort: Papa sagt, es ist noch nicht nötig. Ich werde schon klug genug.