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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel Berlin, 28. Juni 1908

(Der neue Landtag in Preußen. Die auswärtige Lage und die Stimmung in Deutschland. Die Kaiserrede auf der Ocecma. Das Zentrum und die aus­wärtige Politik.)

Der neugewählte preußische Landtag ist am 26. Juni zum erstenmal zusammen­getreten, nicht um eiu großes Programm zu erledigen, sondern mn der verfassnngs- mäßigen Form zu genügen. Es liegt im Staatsinteresse, daß sich das neue Abgeordnetenhaus möglichst bald konstituiert, und deshalb hat man die Frist, die die Verfassung für die erste Einberufung eines neugewählten Hanfes vorschreibt, gar nicht erst vollständig verstreichen lassen. Jetzt, wo der Landtag einmal ver­sammelt gewesen ist, besteht volle Freiheit, ihn nach Bedarf zu schließen oder zu vertagen. Erst im November wird er voraussichtlich wieder zusammentreten.

In der innern Politik ist es jetzt völlig still geworden, und nur wenige Fragen sind es noch, die die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Desto mehr beschäftigt uns die auswärtige Politik und die Lage, in die sich Deutsch­land durch die neusten Ereignisse in der Weltpolitik versetzt sieht. Das Bekannt­werden der Gedanken, denen der Kaiser bei seiner Ansprache an die Offiziere in Döberitz Ausdruck gegeben hatte, ist von überraschend günstiger Wirkung gewesen, obwohl der Wortlaut nirgends authentisch festgestellt worden ist. Man hatte sich dnrch die in einem Teil der deutschen Presse gepflegte Angstmeierei und Nörgelei wirklich in den Gedanken hineintreiben lassen, daß der Kaiser und die in seinem Namen betriebne deutsche Politik den Ereignissen auf dem Schauplatz der Welt­politik teils mit sorglosem Optimismus, teils in vollendeter Resignation und Hilf­losigkeit gegenüberstünden. In diese Stimmung siel das Wort: „Sie sollen uns nur kommen!" — mag es nun so oder anders gelautet habeu — wie eine Er­lösung. Die Vorstellung, daß das Reich allen möglichen Verwicklungen und feind­seligen Machenschaften das ruhige Bewußtsein seiner Kraft entgegensetzt, brauchte zwar eigentlich den ruhig urteilenden und unbefangen beobachtenden Deutschen nichts Neues zu sein, aber das politische Urteil war nun einmal in weiten Kreisen ver­wirrt worden, sowie ja auch über Persönlichkeit und Denkweise des Kaisers noch immer falsche Anschauungen genährt werden. Aber auch wer überzeugt war, daß im Grunde jeder ehrliche Deutsche fo dachte, wie es der Kaiser ausgesprochen hatte, konnte nur sehr damit einverstanden sein, daß es einmal aller Welt gerade von dieser Stelle aus gesagt wurde. Denn nachgerade mußte die Art, wie iu unsrer Presse die Lage Deutschlands und die deutsche Politik dargestellt wurde, die Hoff- uungeu aller uns feindlichen Elemente auf die Isolierung, Einschüchterung und Ausschaltung Deutschlands so sehr verstärken, daß die Sache für uns gefährlich zu werden anfing.

Das kräftige Wort, das in Döberitz gesprochen worden ist, hat dnrch die Fest­stellung der vollständigen Übereinstimmung zwischen der ersten Stelle im Deutschen Reich und dem allgemeinen Empfinden des deutschen Volks, sozusagen, das Gleich­gewicht wiederhergestellt. Es war ein bezeichnender Zug, daß sich die Menge, die den Kaiser bei seinem Erscheinen zur Regatta iu Hamburg — wie schon so manches mal — begrüßte, plötzlich über die Äußerung banaler Schaulust und festlicher Hurrastimmung hinausgehoben fühlte. Es ist etwas eignes um dieses plötzliche Bewußtwerden eiues gemeinsamen Empfindens, das in Tausenden in einem Augen­blick einen Gedanken weckt nud nach Bettttignng drängt. Ans der Volksmenge