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Sozialpsychologische Eindrücke aus deutschen Großstädten : München. 2
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Reifezeit

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sieht er auch aus dem Gesichtswinkel jener. Wer aber ein plastisches Kunst­werk ganz und rein genießen will, muß um dasselbe rund herumgehn. Dieses elementare ästhetische Gesetz hat Ruederer der Kunststadt München gegenüber nicht befolgt, an seinem Buche hat weder die Phantasie (die Phantastik ist keine solche) noch das Herz mitgearbeitet, sondern nur der kapriziöse Literaten- verstand. Es weht in den Seiten seines Buches etwas wie Berliner Luft und so gar nichts von der Luft, die uns aus den instinktiv erfaßten Versen eines echten Münchners entgegenweht, wenn er von seiner Heimatstadt sagt:

Es ist was in ihr, das ganz eigen ist,

Wer sie verläßt, der muß an Heimweh sterben!

Reifezeit

Roman von Charlotte Niese (Fortsetzung)

err Külpe wohnt am Schwanenweg in einer kleinen häßlichen Mansarde. Die Häuser sind hier alle häßlich und alt; die Treppen wacklig, die Luft schlecht. Aber ich finde mich nach oben, wo eine Visitenkarte mir die richtige Tür zeigt, und eine barsche Stimme auf mein leises KlopfenHerein" schreit.

Durch Tabakswolken sehe ich ein Männchen im Schlafrock, das vet meinem Anblick entsetzt vom Sofa in die Höhe springt. Was wünschen Sie?

^ch heiße Frau Weinberg und möchte Sie wegen meines Sohnes Harald sprechen Ist ^ wirklich so unbegabt?

Schlotternd steht das Männchen vor mir, und ich sehe zu meinem Entsetzen, oan er unter dem Schlafrock sehr, sehr leicht bekleidet ist. Nun wende ich mich zur Aucht. Wie ich glücklich wieder vor der Tür bin, rnfe ich durchs Schlüsselloch: Können Sie mich nicht einmal besuchen?

Unten angelangt, sehe ich noch der Uhr. Es ist zwölf Uhr mittags. Braucht

s angezogen auf dem Sofa zu liegen und Herein zu rufen? Weil

l?« »s/ - °^ im Schwanenweg war, bin ich ihn ganz entlang gegangen.

i>n,^s^ r ^w"s holprige Straße, die sich am Berg entlang zieht. Ob hier »an ^< 6^°"st haben, erscheint mir mehr als zweifelhaft. Es gingen aber

ein ^ ^ Menschen auf der Straße, und dann sah ich ein Haus vor mir. das

1?"°.''Privatklinik" trug und darunter den Namen F.Roland, Dr. msct. s-i» A>« "ch blieb ich stehn und sah in die verhängten Fenster. Wird er hier Da faßte mich eine kleine Hand am Kleid.

AMst du jetzt zu Papa? Er hat eine Operation und ist nicht zu sprechen. strusM, ' HMches. schlechtgekleidetes Mädchen stand vor mir. Sie hatte

M ""b Wasser und Seife schienen bet ihr zu fehlen.

bist du? erkundigte ich mich, obgleich ich mir die Antwort denken konnte, tillb?/-?. Minchen Roland, und ich wartete auf Linchen nnd Stinchen. Wir ^ cn Zwei Groschen geschenkt bekommen und wollen uns was dafür kaufen!