Englische Gedanken über kriegerische Macht
von Otto Neuschler
!n einer Zeit, wo England nach anßen hin den Abrüstungsgedanken vertritt und in jeder Erhaltung und Verbesserung der kriegerischen Machtmittel bei andern Staaten eine Beeinträchtigung des Friedens zu sehen geneigt ist, kann es nicht ganz wertlos lsein, auch einmal die Art und Weise zu betrachten, wie man in England das Volk über den Wert kriegerischer Rüstung und kriegerischer Machtmittel belehrt. Die Beweisführung, mit der dem Briten die Notwendigkeit eines tüchtigen Heeres neben einer starken Flotte vor Augen geführt wird, ist übrigens auch für manche Kreise in Deutschland recht wertvoll, die nicht einsehen wollen, daß umgekehrt ebenso zur Ergänzung des starken Heeres eine kriegsbrauchbare Flotte gehört.
In erster Linie ist es die National gsrvios I^s,Aus, an deren Spitze der bekannte Feldmarschall Lord Roberts steht, die sich die Aufklärung der breiten Schichten des britischen Volkes über die Fragen der Notwendigkeit einer gründlichen Rüstung zu Wasser und zu Land angelegen sein läßt. Klar und leicht faßlich geschriebne Broschüren werden um billigen Preis massenhaft verbreitet und sind imstande, das Urteil des an sich politisch ziemlich geschulten Volkes, das allen Beweisführungen leicht zu folgen vermag, die an das Gebiet des Erwerbslebens anknüpfen, in einer der Stärkung der kriegerischen Machtmittel des Staates günstigen Weise zu beeinflussen.
So liegt vor uns in der vierten Auflage mit dem 65. Tausend ein Büchlein, das die Überschrift trägt: „Des Briten vornehmste Pflicht" (Ins Lriton'8 Virst vnt^), und dessen Titelblatt geschmückt ist mit Nelsons berühmtem Spruch am Tage von Tmfalgar: LnZlanä «zxpkvts tnat sverz^ man vill äo lu's äut? (England erwartet, daß jedermann seine Pflicht tut), mit der lorbecr- umrahmten Königskrone, einer auf ihr Schwert gestützten Kriegsgöttin, die Grenzboten IV 1907 86