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Hermann Wettes "Spökenkikker"
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Die Papstburg zu Avignon

Hand und an den dafür besonders geeigneten Stellen. Ernste Erörterungen über Gott, Gottesglauben nnd Gottesverehrung, über die Unmöglichkeit der Gotteslästerung, über die Pflichten des Erziehers erinnern uns an die edle Tendenz des „Krauskopf"; Wette spricht hier am deutlichsten aus dem Spöken- kiker. Ebenso erfreut uns überall der prächtige Humor und die Festigkeit der Lebensanschauungen Weites, die schon beim „Krauskopf" wie Sterne in der Nacht die bedenklichsten Situationen erhellten.

Daß es dem Dichter nicht um Spiele seiner Phantasie, sondern um traurig ernste Lebensfragen zu tun ist, erfahren wir schon aus dein Gedichte „Nemesis", das dem Roman voraufgeht. Die Schlußworte mögen auch hier dafür zeugen:

Rast- und ruhlos zermalmet dein Rad Das buhlerisch lächelnde, lockende Glück; Unsichtbar dein Wandrer zur Seite Beugst du den stolzen Nacken ihm nieder. Zum Grunde der Schale schaust du hinab, Worin du das Leben der Sterblichen prüfest: Nichterin du mit der richtenden Wage, Nemesis, schicksalcntscheidcnde Macht, In Gnaden, du Himmlische, walte des Rechts!

Getrost konnte Wette seinen „Spvkenkiker" in die Welt ausschicken: er wird allen Lesern Freude und hohen Genuß bereiten. Die frische, natürliche und doch sorgfältig gepflegte Sprache wird ihm den Weg ebnen, die geschmackvolle und vornehme Ausstattung auch die Aufmerksamkeit derer fesfeln, die den Dichter bisher nicht kannten. „„. Al. Reifferscheid

Die Papstburg zu Avignon

Von F. Biehringer

nter allen Städten Sndfrankreichs hat wohl keine im Mittelalter eine so hervorragende Rolle gespielt, keine aber auch einen nnheil- vollern Einfluß auf das Geschick ihrer nähern Umgebung und auf das von ganz Europa ausgeübt als Avignon. Wenn die greuel­vollen Bruderkriege, die Frankreichs blühende Gefilde im sechzehnten nnd im achtzehnten Jahrhundert verwüsteten, in der Provence und in Langnedoc niit mehr Erbitterung als in andern Provinzen geführt wurden, so trug vor allem Avignon die Schuld daran. Wurden doch hier am Hofe des päpstlichen Vizelegaten mit einem Fanatismus ohnegleichen die Waffen ge­schliffen, die treuen Anhänger des Evangeliums von Haus und Hof, ans der Heimat, die ihr stiller Fleiß aus trostloser Steinwüste in einen blühenden Garten verwandelt hatte, Vertrieben oder erbarmungslos der Inquisition über­liefert. Und zwar klebt dieser Geist der Unduldsamkeit, der auch heute noch nicht völlig erloschen ist, der Stadt schon seit jenen Tagen an, wo sie aus dem Dunkel einer einfachen Provinzialstadt hervortretend plötzlich zum Brenn­punkt des gesamten geistlichen Lebens im Mittelalter wurde.