Maßgebliches und Unmaßgebliches
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noch nich fertig gemacht — und nachdem es wieder in der Drahttrommel wie toll geklirrt hatte, waren auch schon die „scheenen" Hosenträger samt dem „scheenen" Frauenzimmer verschwunden.
Fast hätte man sagen können, es walte ein Uusteru über ihnen. Denn als der Bauer sie einige Wochen später wirklich als Geburtstagsangebinde erhielt, freute er sich zwar darüber und bewunderte sie — Suschen hatte nicht wie Hannchen ein Muster mit Nelken, sondern eins mit Rosen gewählt —, aber er fand sie zum Tragen zu schön und legte sie in die Truhe, in der er auch die Patengescheuke der Kinder verwahrte und seine blaue Militärmütze mit weißem Paspel und schwarzem Streifen. Sie wären da auch wer weiß wie lange liegen geblieben und vielleicht gar den Motten zum Opfer gefallen, wenn der Webstuhl der Zeit stillgestanden hätte, und wenn nicht auch auf dem Roten Vorwerk Tage und Nächte, leichten, unhörbaren Schritts vorübergleitend, so manches gepflanzt und gereift, so manches gebleicht und geebnet und damit das herbeigeführt hätten, was man als eine neue, veränderte Sachlage zu bezeichnen pflegt.
Bei der Kirmes des Jahres hatte es zwar noch nichts Besondres gegeben: nur der Gefreite war dagewesen, und Suschen hatte nicht einmal erfahren, wer die eine war, die er schon hatte. Aber das nächste Jahr zu Pfingsten wurden beide Paare Hosenträger mit freudigen Gefühlen angelegt: ein wohlhabender Bauersohn aus der nächsten Umgebung führte die ältere Tochter des Roten Vorwerks heim, der nette Gefreite die jüngere. Suschen gefiel der, der die Hosenträger mit den Rosen trug, so gut, daß sie sich aufrichtig freuen konnte, als sie erfuhr, wer ihr Schwager werden sollte. Sie lernte auch die kennen, die Robert heiraten wollte, wenn er sich beim Militär die Hörner abgelaufen hätte, denn sie war unter den Hochzeitgästen, und Robert geleitete mit August den netten Gefreiten zwischen die beiden kugelrunden Myrtenbäumchen.
Und Wilhelm? Der hatte schon vorher Ernst gemacht, und die mit dem weiten Herzen ließ schon seit einiger Zeit als seine Fran die ihr verdienter- und unverdientermaßen zuteil werdenden „Schwumse" kaltblütig über sich ergehn, in der Überzeugung, daß sie im Grunde keine Ursache habe, ihrem Manne irgendeinen andern seines Jahrgangs vorzuziehen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel. (Der Reichskanzler in Norderney. Die Lage der Parteien. Der sozialdemokratische Parteitag. Morengas Tod. Vorläufiger Abschluß der Hauptverhandlungen der Haager Konferenz.)
In der Politik fängt man an, sich nach und nach auf den Winter einzurichten. Die Minister und Mitglieder des Bundesrats sind zum größten Teil von ihren Urlaubsreisen zurückgekehrt, bald werden die ersten größern Beratungen nud Plenarsitzungen wieder aufgenommen werden, und die Vorbereitungen für die Arbeiten der Parlamente werden intensiver betrieben. Wenn der Reichskanzler selbst einstweilen noch in Norderney weilt, so kann man das sicherlich nur in sehr beschränktem Sinne als eine Erholung auffassen, denn auch diese Zeit ist angestrengter politischer Arbeit gewidmet. Gerade in der letzten Zeit hat der Reichskanzler nacheinander alle möglichen parlamentarischen Führer und andre politische Persönlichkeiten von Einfluß empfangen und mit ihnen die Lage besprochen. Wenn Fürst Bülow so die engste