Beitrag 
Irland als Dorn unter dem Panzer Englands. 2
Seite
660
Einzelbild herunterladen
 

660

Aufgaben der innern Politik

und Militärdienst. Mit der Zeit wollen wir alle englischen Steuern ver­weigern und in unsrer eignen Hauptstadt eine mit moralischer Autorität aus­gestattete nationale Körperschaft errichten, einen Rat der Dreihundert, der sich aus Mitgliedern des Generalrats, der Grafschaftsräte, der Gemeinderäte usw. zusammensetzt und tatsächlich ein irisches Parlament bilden wird, das die Voll­macht hat, Beschlüsse zu fassen, die das irische Volk als Gesetze ehren wird."

Das erscheint einem kühlen Beobachter als ein abenteuerliches Programm. Der irische Kelte ist aber nicht kühl, er ist ein Hitzkopf. Einen gewissen Er­folg hat Limi ?einn schon errungen, insofern er die Ilmtsä Irislr I^a^ue zu großem Eifer angespornt hat. Von einer Beruhigung Irlands, einer Ver­ständigung der beiden großen Nationen, ist man anscheinend weiter entfernt als je.

Aufgaben der innern Politik

Von Carl Negenborn

l ie Hebung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter ist sehr wichtig, aber alles ist damit noch nicht getan. Zum Kampfe mit der Sozial- demvkratie bedarf es auch geistiger Waffen, und wir sind in der glücklichen Lage, daß die Massen der Industriearbeiter der Mehr- lzcchl nach nicht geistig stumpf sind, sondern nach Vermehrung ihrer Kenntnisse verlangen. Die schnelle wirtschaftliche Entwicklung, die damit zusammenhängende Verbesserung der materiellen Lage des Arbciterstcmdes und die angestrengte und fruchtbare geistige Arbeit der führenden Stände haben es in Deutschland mit sich gebracht, daß sich auch der untern Volksschichten ein wahrer Bildungshunger bemächtigt hat. Die Volksschule hat sie so weit gefördert, daß sie jetzt mehr verlangen. Man will sich nach der einförmigen Tagesarbeit beschäftigen, will teilnehmen an den die Welt bewegenden Tagesfragen, sich in seinem Spezialarbeitsfache bessere Kenntnisse aneignen. Das Streben, geistig vorwärts zu kommen, wird bestimmt weiter zunehmen, und ihm entgegenzukommen ist eine der wichtigsten sozialen Fragen. Das Bildungsbedürfnis der Massen gibt das Mittel, ihnen nahe zu kommen, ihnen an Stelle der schädlichen, die niedrigsten Instinkte weckenden Schundliteratur, die jetzt in Millionen von Exemplaren durch das ganze Land verbreitet wird, gute Bildungsmittel in die Hand zu geben, sie auch politisch zu belehren, ohne daß der Verdacht staatlicher Bevormundung entsteht. Die Förderung der Volksbibliotheken ist also ein vor­zügliches Mittel gegen die Sozialdemokratie, und von diesem Mittel Gebrauch zu machen ist um so dringender, als gerade die Sozialdemokratie das Bildungs­bedürfnis der Massen längst erkannt hat und eifrig bemüht ist, es durch Ge­währung von Büchern, Schriften und Zeitungen auszunützen. In sehr geschickter