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Tadiz : Reiseerinnerungen
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Der Antiquar

Sobald das Salz entfernt ist, werden die Kanäle von neuem gefüllt, und unter normalen Verhältnissen kann dies vier- bis sechsmal in einem Sommer wiederholt werden. Fällt aber Regen während des Verdampfungsprozesses, so scheidet sich das Salz nicht ab, und die Ernte ist zerstört.

Die starke Sonne, die sommerliche Trockenheit uud die Salzhaltigkeit des Meeres schaffen hier so günstige Bedingungen wie selten anderwärts. Aber nur wenige der Salzgärten werden noch benützt; der Rest des ungeheuern ausgegrabnen Gebiets liegt da als Tummelplatz für Garnelenfischer und See- Vogel, erstickt unter der toten Hand des Staates.

Man wundert sich nicht, das; das Salz hier am Erzengungsorte die Konsumenten viermal soviel kostet wie in Dänemark, da ja der Staat 12 Millionen Franken jährliche Steuer auf dieses unentbehrliche Nahrungs­mittel setzt, man ist es hier gewohnt, jede Quelle des Reichtums von dieser Seite getrübt zu sehen. So lächerlich es scheint, so ist es hier mitten in den Salz­gärten ein einträgliches Geschäft, einige Pott Salz zu stehlen; und um den Salzdiebstahl zu verhindern, wird ein kostspieliges Bewachungssystem unter­halten und die Oberfläche der Pyramiden verhärtet, sodaß es oft der Anwendung von Dynamit bedarf, um sie auzubohren.

Und die Stadt Cndiz muß ja auch leben trotz ihrer Weiße. Sie bietet den Schiffen nicht einmal einen Hafen, sucht sie aber statt dessen auf jede Art zu brandschatzen, durch Abgaben und schwindelnde Proviantpreise. Die Frachten verteuern sich hierdurch, und die Schiffe ziehen es vor, in das Mittelmeer einzulaufen, zu den neu aufgetauchten Salzgärten in Sizilien und an der nord­afrikanischen Küste, während diese hier zuwachsen und bald nicht einmal mehr mit trocknem Brot all die Menschenarbeit verzinsen, die in ihre» Ausgrabungen niedergelegt ist.

Der Antiquar

von Julius R. Haarhaus (Schluß)

s ist eine häufig beobachtete Tatsache, daß das Maß der Entfernung für viele Dinge der eigentliche Wertmesser ist. Wie oft hatte der Freiersmann in Neichenbachs Hof den Augenblick herbeigesehnt, wo eine der beiden Kandidatinnen freiwillig den Kampfplatz räumen und ihm dadurch den Entschluß, der andern einen Heiratsantrag zu machen, erleichtern würde! Jetzt war der Augenblick eingetreten, es bedürfte nur eines einzigen Wortes, die leicht angewelkte Rvsalie in eine neu­aufblühende Rose zu verwandeln. Sie wäre bereit gewesen, errötend an seine Brust zu sinken, schon zitterte in ihren schlanken, überschlanken Armen das Verlangen, sich um seinen Nacken zu schlingen aber das Wort blieb ungesprochen. Und weshalb? Weil ihm Frau Minna, jetzt, wo sie seinen Blicken unerreichbar war, wo er ihr

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