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Der Antiquar
dort und hier. Und dennoch, so oft Erinnerung mich heimsucht, stehn die beiden nebeneinander und wollen verglichen sein.
Du armes, stilles Greifswald! Über Heidelberg liegt ein Glanz, eine Fülle, eine Wärme ohnegleichen gebreitet, gestern und heute und immerdar; der Glanz, die Fülle, die Wärme einer der mächtigsten Stätten deutschen Geisteslebens, geweiht auf Schritt und Tritt durch die Größe seiner Vergangenheit! Heidelberg ist mir wie ein üppiges, reifes Weib, dessen heißer Zauber auf alle überströmt, die sich ihm nähern; wie man sich eine vornehme Wienerin denkt, elegant und distinguiert, dabei liebenswürdig und ewig lachend, und schön, schön, den Vollklang dieses mißbrauchten Wortes ausschöpfend. Heidelberg, das ist der Süden und der Westen geeint: die südmaiuische Behaglichkeit und die rheinische überströmende Lust. Greifswald? Daneben gleicht es einein schüchternen Mauerblümchen im anspruchslosen Mnllkleidchen. Sein Zauber fängt recht zu wirken erst an, wenn man es verlassen hat. Mit seinen stillen blauen Augen schaut es einem durchs Leben nach. Es hat etwas von der ungelösten Sehnsucht des Nordens, zu dem sein Meer hinausweist, und sonst die spröde Schlichtheit deutschen Ostens. Norden, Osten — das kommt herüber zu mir wie ein ferner, lieber Klang und läßt in der Seele ein leises Heimweh erzittern.
Der Antiquar
von Julius R. Haarhaus (Fortsetzung)
ndlich, endlich — es fehlte nicht mehr viel an halb sechs — tauchte aus dem Dämmer des Durchgangs ein Strohhut auf, dessen Blumenschmuck die Vermutung wachrief, die kleine Witwe habe sich zur Aufgabe gemacht, zur Erinnerung an ihren herzensguten Mann den ganzen Rosenflor des Johannis-Friedhofs mit sich herumzutragen. > Denn daß die Trägerin des Hutes tatsächlich Frau Minna war, bewies nicht nur das Taschentuch, sondern auch ein blonder Kopf, der noch viel wuscheliger, und eine Körperfülle, die noch viel blühender und üppiger war, als das Kabinettbild angedeutet hatte. In der Linken trug sie das Erkennungszeichen, im rechten Arm einen in Papier gewickelten Gegenstand, den man nach Form und Größe für eine Literflasche halten konnte.
Sobald Sehler das Taschentuch bemerkte, schlüpfte er aus der Ladentür, entfaltete das seine aber wohlweislich erst draußen.
Wenn ich nicht irre, sagte er, die das erstemal mit so schönem Erfolg angewandte Redensart wiederholend, habe ich die Ehre mit Frau Minna Krause?
Die Witwe blieb stehn, zupfte ihre Bluse zurecht, nahm den eingewickelten Gegenstand in den linken Arm und bot dem Herrn im besten Mannesalter lachend die Hand. Man merkte ihr an, daß sie der Situation gewachsen und trotz ihres unvergeßlichen ersten Gatten unter allen Umständen fest entschlossen war, so bald wie möglich noch einmal ihren vollen Nacken unter das Joch der Ehe zu beugen.
Aber das ist komisch! sagte sie, Seylers Hand schüttelnd, Sie sehen ganz genau so aus, wie ich Sie mir vorgestellt hatte! Das ist wohl Ihr Geschäft? Sie musterte das Lädchen mit kritischen Blicken. Dabei las sie auch die Firma.