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Russische Briefe. 7. Nach dem Staatsstreich
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Zehn Jahre Zionismus

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durchbringen. Im Gouvernement Ssuwalki, wo die Juden über großen Landbesitz verfügen, könnten sie bei einiger Organisation sehr Wohl eigne Abgeordnete durchbringen.

Das dritte Wahlgesetz (Artikel 4) gilt im Kaukasus ohne Stawropol. im Amur- und Seegebiet, bei den Amurkosaken, in Transbaikalien sowie in den Städten Wilna, Kowno, Warschau. Wie schon aus der Buntheit der aufgeführten Gebiete zu erraten ist, handelt es sich hier nicht um ein einheitliches Gesetz. Es ist vielmehr eine Sammlung von Vorschriften, die für jedes der Gebiete ver­schieden sind, nach denen die Wahlen vor sich zu gehen haben. Vielleicht sind sie am kürzesten und richtigsten charakterisiert, wenn ich schreibe, daß in den Vorschriften dem Ermessen der Gouverneure usw. ein besonders großer Spiel­raum gelassen wird. Für die Zusammensetzung der Reichsduma sind die Wahlen in den genannten Gebieten unwesentlich, da aus ihnen nur 19 Abgeordnete hervorgehen sollen.

Zusammenfassend kann man alle neuen Wahlvorschriften dahin kennzeichnen, daß sie ein Prüfstein für die Gesinnung des russischen Adels sind. Ihm ganz allein räumt der Gesetzgeber die Möglichkeit ein, sich tatkräftig an der Lenkung der Geschicke Rußlands zu beteiligen. Es scheint mir darum vom höchsten Interesse, einmal zu zeigen, wie eigentlich dieser Adel aussieht. Der nächste Brief soll den russischen Adel in seiner Bedeutung für Kultur und Politik Rußlands behandeln.

Schuwalowo bei St> Petersburg, Mitte I»li ^9^?

Zehn Jahre Zionismus

ehn Jahre ist es her, seit der Zionismus seinen Einzug in die Reihe der modernen Bewegungen gehalten hat. Viel älter freilich als die straffe, konkrete Form ist die zionistische Idee in weitestem Sinne; das Zionswort:Vergesse ich dein, Jerusalem, so werde meiner Rechten vergessen" (Psalm 137, 5) ist dem jüdischen Volke in allen Abschnitten seiner Leidensgeschichte lebendig gewesen. Aber während diese Idee in den frühern Jahrhunderten vornehmlich aus den messia- nischen Bewegungen Kraft nnd Leben schöpfte, ist sie in dem verflossenen Jahr­hundert von dem Boden des religiösen Mystizismus mehr und mehr auf den der Wirklichkeit getreten und gibt sich als Äußerung bewußten Nationalgefühls. Und demgemäß haben wir auch den Zionismus als moderne geschichtliche Er­scheinung in die Reihe der nationalen Befreiungskämpfe einzugliedern, die im neunzehnten Jahrhundert begannen und nach erfolgter Emanzipation des In­dividuums die Emanzipierung des Volksganzen anstrebten.

Grenzboten III 1907 37