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Zum Ursprung des Märchens. 3
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Der Prediger in Nöten

Eigentümlichkeiten der Erzähler kommen hier in nicht geringem Maße zur Gel­tung. Schließlich liegt auch in der kaleidoskopartigen Verknüpfung der einzelnen Motive, die die Möglichkeit unzähliger Kombinationen erlaubt, eine Zeugungs­kraft, die eben jahrtausendelang fortgewirkt hat, und die erst der allem Volks­tümlichen feindliche Geist des technischen Zeitalters bei den europäischen Völkern hat vernichten können.

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Der Prediger in Nöten

Von Thomas Hardy (Fortsetzung)

ls Stockdale eines Morgens cms dem Fenster guckte, sah er Frau Newberry selbst die Schöße eines langen, flauschigen Überziehers aus­bürsten, wenn sein Auge ihn nicht trügte, dasselbe Kleidungsstück, das den Stuhl in seinem Zimmer geziert hatte. Er war über und über bis in die Rückenhöhlung hinauf bespritzt mit nachbarlichem Nieder- I Moyntonschmutz, was man nach der Farbe der vom Sonnenlicht hell beleuchteten Flecke deutlich unterscheiden konnte. Ein oder zwei Tage lang war nasses Wetter gewesen, und so war die Schlußfolgerung nnwiderleglich, daß der Träger des Rockes ganz kürzlich eine bedeutende Entfernung über Feld- und Landstraße zurückgelegt hatte. Stockdale öffnete das Fenster und sah hinaus; Frau Newberry drehte den Kopf. Ihr Gesicht wurde langsam rot; sie hatte niemals hübscher, niemals rätselhafter ausgesehen. Er winkte zärtlich mit der Hand und sagte guten Morgen; sie antwortete voll Verlegenheit, hörte im Augenblick, als sie ihn er­blickte, mit ihrer Beschäftigung auf und rollte den Rock, halb gereinigt, zusammen.

Stockdale schloß das Fenster. Zweifellos lag eine einfache Erklärung ihres Tuns in den Grenzen der Möglichkeit, aber ihm fiel keine ein. Er wünschte, er hätte den Vorfall dem Bereich der Mutmaßungen entzogen nnd auf der Stelle eine Bemerkung darüber gemacht.

Doch obwohl Lizzy im Augenblick keine Erklärung gegeben hatte, brachte sie die Sache bei ihrer nächsten Begegnung zur Sprache. Sie plauderte mit ihm von etwas andern: und bemerkte, das sei um die Zeit gewesen, als sie gerade die alten Kleider, die ihrem armen Mann gehört hatten, reinigte.

Sie halten sie ans Pietät für ihn sanber? fragte Stockdale unsicher. Ich lüfte und bürste sie manchmal, sagte sie mit der entzückendsten Unschuld von der Welt.

Kommen tote Männer ans ihren Gräbern, um im Schmutz spazieren zu gehn? murmelte der Geistliche, dem bei ihrer Hinterlist der kalte Schweiß ans der Stirn stand.

Was sagten Sie? fragte Lizzy.

Nichts, nichts, entgeguete er gramvoll. Bloß Worte ein Satz, der in meine Predigt für nächsten Sonntag paßt. Es war nur zu klar, Lizzy wußte nichts davon, daß er auf den Schößen des verräterischen Überziehers dicke Schmutzspritzer gesehen hatte, und sie wollte ihn glauben machen, er käme direkt aus einem Schrank oder einer Schublade.