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Zum Ursprung des Märchens
so sagte Goethe, pflegte mir immer das Studium der Kantischen Philosophie zu widerraten: Kant könne mir nichts geben. Er selbst dagegen studierte ihn eifrig, und ich habe ihn auch studiert, und zwar nicht ohne Gewinn."
Vervollständigt wird das Bild Kant—Schiller—Goethe durch die Darstellung der freilich dürftigen persönlichen Beziehungen beider Dichter zu dem Philosophen und dessen, was sie ihm waren oder vielmehr nicht waren. Dem großen Kunsttheoretiker fehlte es an poetischem Gefühl. Er hat unsre beiden Dichterheroen nicht geschätzt. Goethe wußte, daß Kant nie Notiz von ihm genommen hat. Er, der so tief in das Wesen des dichterischen Genies eingedrungen ist, der das Fundament der klassischen Ästhetik gelegt hat, der unsre großen Dichter nachlebten, wurde den beiden Männern nicht gerecht! Ihre Werke erschienen, als ihn selbst die eigne Geistesarbeit in Anspruch nahm und später die Schwäche des Alters befiel. Es hat etwas Tragisches, daß ihm der Genuß an ihren Schöpfungen versagt blieb, daß er die Genugtuung nicht empfand, zu deren Reife beigetragen zu haben. Er hat sie kaum gekannt, noch weniger gewürdigt.
Vorlünders Werk ist ein wertvoller Beitrag zur Geschichte der Literatur sowohl als der Philosophie in der bedeutungsvollsten Periode deutschen Geisteslebens. Die Form, in die er seine Forschungen gegossen hat, macht sie nicht nur zu einem Besitz der Gelehrten, sondern die weitesten Kreise der Gebildeten können sich ihrer erfreuen und aus ihnen genußvolle Belehrung schöpfen.
Meißen Alfred Leicht
ZUM Ursprung des Märchens
von Paul Arfert in Halberstadt
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m die Tatsache, daß die redenden Tiere des Märchens unmittelbar auf die Anschauungen und das Verhältnis des primitiven Menschen zu den Tieren zurückgehen, brauchen wir nicht die wissenschaftliche Forschung hcrbeizuziehn. Darüber wird sich jeder, der uur eine bessere Neisebcschreibung gelesen hat, ohne Mühe selbst überzeugen können. Verborgner liegen jedoch die Beziehungen auf andern Gebieten des primitiven Glaubens.
Die älteste Religionsform des Menschen ist der Seclenglaube, wenn wir von dem sicher voranimistischen Zcmberglauben absehen. Der Seelenglaube durchdringt und bestimmt das ganze Leben und Denken des primitiven Menschen. Es ist deshalb kein Wunder, daß ein sehr starker Bruchteil des Übernatürlichen im Märchen mit dem primitiven Seelenglauben in direktem Zusammenhang steht. Viele Märchenzüge haben sich unmittelbar aus ihm entwickelt. Der Naturmensch denkt sich die Seele gern als ein spannlanges Männchen, das leibhaftige