Lin Lharakterkopf aus der ältern Leipziger Schulgeschichte
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Politisch besonders hervorgetan hat sich außer dem ersten Bruno, den wir das einemal nach dem Tode Ottos des Dritten in einer hochpolitischen Rolle genannt finden, keiner von den vorwelfischen Herren von Vraunschweig. Aber an Territorialreichtum überragten sie vom Anfang ihres historischen Auftretens an fast alle ihre nahen und weiteren Nachbarn. Ihre Stellung in der damaligen europäischen Fürstenfamilie zeigt, daß sie dementsprechend angesehen waren. Es ist nicht unnütz, ab und zu in die große Reichsgeschichte auch von den wenig hervortretenden Sitzen fürstlicher Macht aus hineinzuleuchten. Persönliche Tüchtigkeit hat in keiner Zeit allein die Geschicke der Völker geleitet. Der Einfluß des Reichtums war im Mittelalter gerade so groß wie später. Könnten wir die Familiengeschichte jener ältesten Fürsten von Vraunschweig genau verfolgen, so würden wir gewiß finden, daß in der damals noch wenig bedeutenden, kaum genannten Braunschweiger Residenz manche Fäden der Neichs- geschichte zusammenliefen, die wir heute nicht mehr verfolgen, kaum hier und da ahnen können.
Ein Lharakterkopf aus der ältern Leipziger ^»chul-
geschichte
von (vtto Aaemmel
>er Humanismus steht heute in keiner besondern Achtung, und vollends die humanistischen Gymnasien gelten vielen als rückständige Schulen, die auf den Aussterbeetat gesetzt sind und lücherlicherweise wohl auch eines antinationalen „uudeutscheu" I Geistes bezichtigt werden. Darüber wird häufig ganz vergessen, daß der Humanismus zweimal, im sechzehnten und im achtzehnten Jahrhundert, eine neue Blüte des deutschen Geisteslebens herbeigeführt, also aus die deutsche Kultur einen höchst bedeutenden Einfluß ausgeübt hat.
Was war und was wollte denn der alte Humanismus? Er war nicht nur eine neue Methode und ein neuer Gegenstand der Wissenschaft, der Wissenschaft von dem in Italien neu entdeckten klassischen Altertum, sondern auch und vor allem eine nene Weltanschauung und eine neue freie, der kirchlichen Tradition abgewandte, weltliche, allgemein menschliche, „humane" Bildung, mit allem Ungestüm, aller Rücksichtslosigkeit, allem Radikalismus einer solchen Bewegung. Gewiß, viele Humanisten waren eitel, ruhmredig, streitsüchtig, oft von lockern Sitten, unruhig und ganz abgeneigt, sich an einen festen Pflichtenkreis zu binden, aber auch weltkundig und gar keine Stubengelehrten, und sie waren alle geistig freie Menschen und eben deshalb ausgeprägte Persönlichkeiten; sie brachten gegenüber dem gebundnen, von Tradition und Umgebung völlig