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Der Semmelmilchtanz
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Der Hemmelmilchtanz

von Ilse Leskien

rau Riemer stand im kleinen Hof hinter dem Hause und wusch. Die rasche Bewegung ihrer braunen Arme machte den Schaum im Wasch­faß hoch aufspritzen. In großen Flocken rann er mn Holzrand des Zubers herab und tropfte auf den Sand. Eine Weile glitzerte er dort in hundert Farben, dann zerging er im Sonnenlicht.

Die Sonne brannte vom klaren Frühlingshimmel herab heiß in das kleine Mauerviereck.

Frau Riemer hatte das Kopftuch zurückgeschoben, sodaß auf dem Scheitel ihr dunkles Haar und an den Seiten die Ohrringe sichtbar wurden, und fuhr sich mit dem aufgestreiften Ärmel ihrer Kattunjacke wiederholt über die Stirn.

Es war ein schöner Mai in diesem Jahre, aber heiß! Der Apfelbaum in der Ecke an der Mauer stand reich in Blüten, und in seinem Wipfel jauchzte eiu Buch­fink fort und fort seine Triller.

Die Frau hörte nicht danach hin. Sie hatte gerade das Bunte vor, grob­kariertes Bcmerubettzeug, derbe blaue Leiuenkittel und dergleichen. Dazn brauchte sie ihre ganze Kraft, und viel hatte sie nicht übrig. In vier Wochen war es wieder einmal so weit . . . Das fühlte sie, denn die Arbeit wurde ihr sauer.

Dann hatte sie wieder eins, noch einen Esser mehr! Sie seufzte und über­dachte das Kommende. Nur gut, daß der Mann nicht zu Hause war. Er hatte im Tal bei einem Brückenbau zu tun. Vor zwei oder drei Monaten kam er da nicht los. So war alles vorbei, bis er wiederkam. Er war ja kein Schlimmer, aber geschimpft hatte er doch über die neue Last, wie eben Männer sind. Und sie hatte schon genug an Liesens sauerm Gesicht und ihren bösen Reden.

Sie warf einen scheuen Blick nach dem offnen Fenster neben der Hoftür. Dort saß Liese, Riemers Älteste, über die Arbeit gebeugt. Das Profil ihres hagern, blaffen Gesichts hob sich vom dunkeln Hintergrunde der kleinen Stube scharf ab. Deutlich sah man die etwas vorliegenden Augen und die schmalen gekniffnen Lippe«- Das fahlblonde Haar war in zwei glatte Scheitel geteilt und im Nacken zu einem kleinen Knoten fest zusammengedreht.

Tag für Tag saß sie dort am Fenster und flocht feines Stroh für die Dorn­burger Strohhutfabrik. Mit dem Dienen wars nichts gewesen. Als Liese aus der Schule war, verschaffte ihr die Mutter eine Stelle als Spülmädchen in Drückers Restaurant. Das war was gutes für den Anfang. Aber dort holte sie sich das Reißen und wurde es nicht wieder los. Wenn es schlimm war, konnte sie M) kaum auf den Füßen halten. Es war ein Elend.

Und zu allem war sie so zänkisch geworden, und seit sie wußte, daß wieder eins kam, war ihr böses Gerede kaum mehr zum Aushalten.

Na, Freude war ja keine dabei, das wußte Frau Rienier wohl.