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Koloniale Eisenbahnpolitik
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Koloniale Gisenbahnpolitik

von Rudolf Wagner in Berlin

eit dem verflossenen Sommer, als ich cm dieser Stelle die Grund­lagen nnd Hanptgesichtspunkte für unsre koloniale Eisenbahn­politik zu skizzieren versuchte, ist in unserm politischen Leben eine tiefgehende Wandlung eingetreten, die es ermöglicht, unsre kolonialen Bestrebungen von einem höhern Standpunkte zu ve­rachten. Vergegenwärtigt man sich den vorjährigen Tiefstand der kolonialen Konjunktur, die durch die Reichstagsbcschlüsse vom 19. Mai gekennzeichnet war, nls der verflossene Reichstag drei wichtige Kolonialvorlagen ohne jede sachliche Begründung unter den Tisch fallen ließ, so hätte man einen solchen Um- Woung nicht für möglich gehalten. Es ist immerhin anzunehmen, daß das amalige Verhalten des Reichstags gegenüber den heute bewilligten Vorlagen ^ Reichskolonialamt, Entschädigung der sttdwestafrikanischen Ansiedler, Eisenbahn ^"deritzbucht-Kcetmannshvop der spätern Reaktion zugunsten der Kolonial­politik den Boden bereitet hat. Erst der 19. Mai hat deu nationalen Parteien, hat der Negierung die Augen darüber geöffnet, daß unter der damaligen Volks­vertretung unsre Kolonialpolitik in den Sumpf geraten mußte. Es ist ein Wahres Glück, daß uns in dieser schweren Zeit ein Mann beschert worden der es verstand, unsern kolonialen Bestrebungen politisch den gebührenden >^ah zu erkämpfe». Es soll dem neuen Leiter der Kolonialverwaltung un- ^rgessen bleiben, daß er es bei der Verfechtung der Interessen seines Wirkungs­kreises auf Biegen oder Brechen hat ankommen lassen, der Regierung, daß sie ^hm dabei deu Rücken gedeckt hat. Unvergessen soll es auch den nationalen ^erbänden sein, voran dein Flottenverein und dem Wahlverein alter Afrikaner, ""ß sie mutig die Lücke ausgefüllt habeu, die leider die Deutsche Kolonial­gesellschaft gelassen hatte, als es galt, die Mehrheit des deutschen Volkes im Sturm für den kolonialen Gedanken zu gewinnen und mobil zu machen. Der beispiellose Erfolg dieser Werbetätigkeit, der durch Dernburgs klare Dar­legungen über die Bedeutung der Kolonien für die Nationalwirtschaft nnd die Zukunft des deutschen Volkes das Rückgrat gegeben worden ist, ist zu bekanut, daß mir näher darauf einzngehn brauchten. Kreuzboten II 1K07 5>»