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Lessing als Philosoph
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pfarrergestalten in neuern Dichterwerken

Man sieht, wie ich hoffe, schon aus diesem Wenigen, daß in diesem Buche über Lessing weit mehr zu finden ist als eine bloße Darstellung seiner An­sichten. Es ist, wie alle Schriften Schrempfs, wie zum Beispiel auch sein Martin Luther", der so manche Verwandtschaft mit dieser neuen Arbeit auf­weist, ein durch und durch erlebtes Buch; und gerade weil der Verfasser alles das, was Lessing so stark beschäftigt hat, selbst durcherlebt und immer wieder durchgedacht hat, vermag er aus Lessings oft sehrexoterischer" Ausdrucks­weise dieesoterischen", wesentlichen Elemente heranszuschälen und mit einer bisher kaum erreichten Klarheit die innern Verbindungsfädeu in den fragmen­tarischen Arbeiten aufzuzeigen. Es ist unter diesen Umständen durchaus natürlich und kann nur erfreuliche Früchte zeitigen, daß er bei einer solchen intensiven Einfühlung in Lessings Geist und bei so vielen Berühruugspunkten in Charakter und Denken die Linien, die Lessing bloß angefangen hat, an manchen Punkten vollendet, vollendet in demselben Geist dämonischer Wahrheitsliebe, den er seinem Helden nachrühmt. Mag dabei manches stark Subjektive mit unter­laufen das bedeutet nichts gegenüber dem großen Gewinn, daß wir auf diese Weise mit Macht hineingezogen werden in das innere Leben eines unsrer größten und besten Geister. vr. Mohr in Koblenz

W^DMW

pfarrergestalten in neuern Dichterwerken

von Heinrich vanneil in Schönebeck a. d. Llbe

>s ist auffallend, wie häufig jetzt Pfarrer im Mittelpunkt von Dichterwerken stehn. Es gilt das für Pfarrer beider christlichen Hauptkonfessionen. Wie die katholische Kirche das Feststehende repräsentiert, so ist Wohl auch im allgemeiuen die Schätzung des I katholischen Priesters dieselbe geblieben. Nach der Lehre der katholischen Kirche wird ja der Priester durch die Weihe über die andern Menschen erhoben, sodaß noch heute in gutkatholischen Dichterwerken der Priester oft mit etwas übermenschlich idealen Zügen gezeichnet wird. Wenn nun, zumal in Österreich, weite Kreise jetzt der alten Kirche kritisch, ja ablehnend gegen- überstehn, so erklärt es sich, daß viele sich bemüht haben, das innere Leben des Priesters, seine Freuden und seine Leiden rein menschlich zu verstehn. Bei der augenblicklichen Lage ist es nur zu verständlich, daß mit besondrer Vorliebe Priester betrachtet worden sind, die durch verschuldete oder unverschuldete Differenzen mit der herrschenden Richtung in innere Nöte gekommen waren.

Werke der ersten Art werden natürlich außerhalb der Grenzpfähle katho­lischen Kirchentums selten beachtet werden. Um des Verfassers willen verdient vielleicht das Werk von Arthur AchleitnerDer Eiskaplan" Beachtung, eine Er­zählung aus dem Hochgebirge (Mainz, Kirchheim, 1904. 233 Seiten. 2,50 Mark).