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Russische Briefe. 6
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Veutschland in französischer Beleuchtung

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Einblick in das Finanzgebaren der Regierung zu verschaffen. Man vergesse nicht, zu beachten, daß anßer dem Reichskontrolleur, dem Finanzininister und dem Volkswirtschaftsdepartement des Reichsrats in Nußland noch niemand ein Reichsbndgct in seinen Einzelheiten gesehen hat. Hier gilt es zunächst zu lernen, was eigentlich hinter dem so oft bezweifelten Bericht des Finanz­ministers steckt. Ferner sind die ruhigen Kommissionssitzungen das beste Mittel zur Erhaltung der Duma, solange es den Politikern als notwendig erscheint. Denn das wird wohl niemand den Kadetten zn glauben brauchen, daß sie die gegenwärtige Duma füuf Jahre erhalten wollen! Es wird somit von der all­gemeinen politischen Lage in Rußland und von der Bereitwilligkeit der Re­gierung, den Kadetten entgegenzukommen, abhängen, ob das Budget in der zweiten Lesung im Plenum angenommen werden wird oder nicht. Die Ne­gierung braucht das Budget für das Ausland, darum ist das Budget auch der Punkt, auf deu die Volksvertretung zur Erreichung von Vorteilen drücken kann. Sie wird es tun, aber in einem Augenblick, der der Negierung uicht Passen wird. Diese Perspektive ist es, die meines Trachtens Männer wie Professor Mariens veranlaßt, für eine sofortige, von der Entscheidung des Budgets unabhängige Auflösung der Dumn einzutreten.

St. Petersburg, den 5./1.3. April 1.907

Deutschland in französischer Beleuchtung

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IN 25. Oktober des Jahres 1874 vermerkte Fürst Chlodwig Hohen- lohe in seinem von der deutschen Publizistik noch immer viel zu wenig gewürdigten Tagebuche, der Kaiser habe ihm gesagt, die Franzosen seien ungezogne Kinder, die man mit Güte nicht ge­winnen könne, und die immer in Schrecken gehalten werden müßten. Das trifft auch heute noch zu und sollte als goldne Regel bei allen offiziellen Äußerungen an die französische Adresse immer beherzigt werden. Allerdings wird jeder Dentsche, der längere Zeit in Paris lebt und zu gebildeten Fran­zosen in nähere Beziehungen tritt, die Erfahrung machen, daß diese nie von Revanche sprechen und eine Freundschaft mit Deutschland herbeisehnen, aber diese an sich gewiß richtigen Beobachtnngen dürfen uns nie über die Tatsache hinwegtäuschen, daß im Ernstfalle stets die Chauvinisten die große Menge mit sich fortreißen, und daß uns nur unser unnachahmliches Heer vor einem er­neuten gallischen Überfall geschützt hat. Die edle Liebenswürdigkeit unsers Kaisers bei so vielen Gelegenheiten des französischen Lebens hat unzweifelhaft die deutsch-französische Annähernng einen großen Schritt weitergeführt, nud die