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Fahrendes Volk im siebzehnten Jahrhundert : aus den Bettelregistern einer deuteschen Kleinstadt
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Die Haselnuß

ihre lahmen Glieder und sonstigen Schäden irgendwelchen Bädern anvertrauen wollen, sogar Geisteskranke sehen wir vertrauensvoll ins warme Bad wandern. Starben sie dort, so bettelten sich ihre Frauen und Kinder wieder nach der Heimat durch.

Ein andres lockendes Ziel kranker Almosensammler war das Hospital, das sich allerdings auch nur in seltenen Ausnahmefällen unentgeltlich öffnete. Eiu Sattlergeselle aus Neundorf, eiu Mann von Westerhausen,der den fressenden wurm im schenkel gehabt", ein armes Pfarrweib mit zwei Kindern,dessen Manu iin Haupte verrückt, daß er seines Dienstes nicht abwarten können", suchen die Mittel zur Aufnahme ins Spital von den Leuten zn erbetteln. Zuweilen sind auch hierunter solche, die sich mit einem geliehenen Kapital ins Spital gekauft habeu und nnn durch Almoscnsmnmelu das Geborgte zurück­zuerstatten suchen. Genau so war es bei vielen losgekauften Türkensklaven, die nachträglich den Bedarf ihres Lösegeldes zusammenbettelten. Daß dies überhaupt möglich war, beweist, wie reichlich und gern man den wandernden Bettlern, in denen die damalige Zeit eben eine selbstverständliche Erscheinung sah, gegeben haben muß.

Wir habeu die unabsehbare Schar des fahrenden Volkes, wie sie im sieb­zehnten Jahrhundert sogar einen unbedeutenden Ort wie Coswig durchzog, in ihren flüchtigen Bestandteilen gemustert. Einer spätern Arbeit mag es vor­behalten bleiben, zu schildern, was diese flüchtigen Besucher von ihren Geschicken zu erzählen wußten, und wie sie den Bewohnern des Städtchens manche neue Zeitung von den Weltbegebenheiten aus nah und fern mitbrachten, sich auf diese Weise für das empfangn? Almosen doch in etwas erkenntlich zeigend.

Die Haselnuß

Ein Leipziger Märchen von Julius R. Haarhaus (Fortsetzung)

l udlich konnte dcis Konzert beginnen. Der Löwe des Tages stimmte mit großer Sorgfalt sein Instrument, erbat sich zu seiner Stärkung noch ein Glas Portwein, placierte die alte Kommerzienrätin Möbins, die in der dritten Reihe gesessen hatte, hinter eine Säule in der sechsten und spielte das Quartett in M von Rode. Als er zu Ende !war, wurde er mit rauschendem Beifall belohnt, aber er schien gar nicht darauf zu achten, stützte den Kopf in seine Weiße, wvhlgevflegte Hand und starrte wie geistesabwesend ins Publikum.

Nein, sagte der eine, dieses Flageolett! So etwas haben wir hier noch nicht zu hören bekommen!

Sein Pizzicato hat mir noch weit mehr gefallen, meinte ein andrer, ich habe vor zwei Jahren in Wien Paganini gehört, aber der machte es auch nicht besser!

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