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Fritz Stavenhagen
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Fahrendes Volk im siebzehnten Jahrhundert

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irdisches Dasein verlief, hegen in ihm das Gedächtnis an einen jener seltnen Menschen, denen materielle Not den großen Zug künstlerischer Gestaltung nicht lahmte, und von deren Abscheiden heute und immer das Wort derAchilleis" gilt:

Aber der Jüngling sallend erregt unendliche Sehnsucht

Allen Künftigen aus, und jedem stirbt er aufs neue,

Der die rühmliche Tat mit rühmlichen Taten gekrönt wünscht.

Heinrich Spiero

Fahrendes Volk im siebzehnten Jahrhundert

Aus den Bettelregistern einer deutschen Kleinstadt geschildert von !v. Berdrow

ei einer Durchsicht der ältern, bis 1595 zurückreichenden Rats­rechnungen der Stadt Coswig iu Anhalt siel mir ein Mieder- kehrender Ausgabeposten unter dem Titel: Den armen Leuten oder: Den armen und bmudbeschädigten Leuten ins Auge. Das Interesse an diesen Registern wuchs mit dem Durchlesen von Jahr zu Jahr, und endlich erschienen mir diesearmen leuthe", die sich nicht etwa als Cvswiger Ortsarme, sondern als ein wunderlich gemischter Bettelhaufe aus aller Herren Ländern erwiesen, als eins der merkwürdigsten Kapitel in diesen alteu, vergilbten Stadtregistern. Immer wechselnd an Stand und Herkuuft, bald anschwellend in Zeiten der Not, bald abnehmend in bessern Jahren, windet sich der Reigen dieser fremden Bettellente gleich bunten, farbenreichen Arabesken durch die eintönigen Spalten der Einnahmen und der Ausgaben, der Schoß­register und Brauverzeichnisse hindurch. Der eiue init drei dürren Worten registriert, der andre treulich bezeichnet nach Namen und Art, der dritte redselig das Geschick erzählend, das ihn aus Heimat und Wertstatt auf die Landstraße getrieben, spiegeln sie in ihrer Gesamtheit ein Bild aller Drangsale nnd Fähr­nisse ihres vielbewegten Jahrhunderts wider und gewähren uns einen tiefen Blick in die Sitten und Lebensverhältnisse ihrer Zeit. Ja zuweilen lesen sich diese Register wie eine Chronik des großen und gewalttätigen Jahrhunderts, in den: sie niedergeschrieben sind. Diese Schwärme von Landsknechten nnd Studenten, von Gefangnen ans der Türkei und Vertriebnen ans Ungarn, Böhmen, Frankreich und den Rheinpfalzen, von Pfarrern, Magistern, Doktoren und Küstern, von Handwerkern und Gelehrten, von Pöbel und Adel, Witwen und Waisen, von Lahmen, Blinden, Kranken und Besessenen, von Dichtern und Philosophenvoll Schwer- und Zweifelmtttigkeit" sie stehn alle so greifbar deutlich da, wie sie dem Stadtschreiber ihre Nöte berichten und ihre paar Groschen in Empfang nehmen, daß man weiter und weiter liest und nicht müde wird.