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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel. (Das Ende des Schulstreiks. Das preußische Kultusministerium. Stimmungsmache gegen den Fürsten Biilow. Die auswärtige Lage.)

Seit der Reichstag in die Osterferien gegangen ist, ruht für eine Weile das Getriebe der innern Politik. Das heißt, was man soruhen" nennt! Die Er­örterungen in den Zeitungen gehen natürlich weiter, und je weniger in Wahrheit geschieht, desto mehr Betrachtungen werden darüber angestellt, was möglicherweise geschehen könnte. Dazu fehlt es nicht an Stoff, weil heute die ganze politische Berichterstattung von der Jagd nach dem Sensationellen beherrscht wird, und mancherlei sich ereignet hat, was in dieser Richtung ausgebeutet werden kann. Mit Vorliebe beschäftigt man sich darum mit den vorhandnen und nicht vorhandncn Krisen, die durch gewisse Vorgänge der letzten Zeit angezeigt zu werden scheinen. Freilich deutet alles darauf hin, daß die Neugierigen ihre Ungeduld noch zügeln muffen. Wenn man z. B. darauf gerechnet hat, daß der preußische Kultusminister nach deni heftigen Zusammenstoß im Abgeordnetenhause sogleich das Feld räumen Mrde, so werden die eifrigen Ministerstürzer wahrscheinlich zunächst enttäuscht werden. Herr von Studt hat, wie wir schon erwähnt haben, in der letzten Zeit kein Geheimnis daraus gemacht, daß er seinen Rücktritt vorbereitet. Es sind bestimmte sachliche Gründe, die ihn bestimmen, diesen Schritt nicht zu übereilen, und es würde allen preußischen Traditionen widersprechen, wenn bei solcher Sachlage die Ent­scheidung beschleunigt würde, um einer parlamentarischen Gegnerschaft zu Willen zu sein.

Welches die Gründe sind, die Herrn von Studt einstweilen noch im Amte festhalten, darüber ist von Leuten, die es wohl wissen können, manche Andeutung gemacht worden, die Wahrscheinlichkeit für sich hat. Ob darunter auch die Be­hauptung zu rechnen ist, der Kultusminister wolle erst die Beendigung des pol­nischen Schulstreiks abwarten, wollen wir dahingestellt sein lassen. Zu wünschen wäre freilich, daß das bisherige System der Bekämpfung des Schulstreiks fortgesetzt, und daß es vermieden würde, durch einen Wechsel nn der entscheidenden Stelle in den Polen etwa Hoffnungen auf eine Änderung der bisherigen Praxis zu erwecken. Herr von Studt hat im Laufe seiner Verwaltungstätigkeit die Polen genau kennen gelernt; er ist in den Ostmarken Landrat gewesen. Was man auch sonst an den Grundsätzen, nach denen er sein jetziges Amt verwaltet, aussetzen mag, das Zeugnis kann ihm auch sein Feind nicht versagen, daß er in der Polenpolitik einen offnen Blick und eine feste Hand gezeigt hat. Gerade der Schülerstreik hat wieder be­wiesen, wie leicht unsre Landsleute zu täuschen sind, wie die durchsichtigsten Manöver und verhältnismäßig geringfügige Schwierigkeiten genügen, nm die Neigung hervor­zurufen, die nationale Tatkraft durch Flaumachereien zu lahmen. Obwohl heutzu­tage jedermann wissen könnte, wie und zu welchem Zwecke der Schulstreik in Szene gesetzt worden ist, wird doch immer noch das Märchen geglaubt, es handle sich um einen spontanen Widerstand der polnischen Bevölkerung gegen plötzlich und unver­mittelt ihnen aufgedrängte, unzweckmäßige und ungerechte Maßregeln, die geeignet seien, Deutschland in den Augen der ganzen zivilisierten Welt bloßzustellen, und die notwendig zum Mißerfolg führen müßten. Wer so urteilt, vergißt sich die Frage vorzulegen, warum die Polen diebarbarischen" Maßregeln der preußischen Re­gierung eine ganze Weile ruhig ertragen haben, und zwar nicht mit dem verhaltnen Groll, der nur noch kein Mittel gefunden hat, einem verhaßten Zwange zu ent-