Beitrag 
Die Schaffung des deutschen Seekabelnetzes
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Litern und Kinder

17

voraufgegcmgnen, außerordentlich raschen Fabrikation des Kabels ist auch unsre deutsche Seekabelindustrie mit einem Schlage in die vorderste Reihe aufgerückt und steht in ihrer Leistungsfähigkeit hinter den ersten englischen Firmen in keiner Weise mehr zurück.

Die Eröffnung der wichtigen, neuen Linie Schanghai-Iap, die übrigens zugleich das letzte Glied in einer den ganzen Erdball umschlingenden Kette von nicht britischen Telegraphenlinien bildet (Emden-Azoren-Newyork-San Fraucisco - Guam - NaP-Schanghai-Wladiwostok-Moskau-Emden), ist am 1. November 1905 erfolgt, nachdem sie ursprünglich erst zum 1. April 1906 in Aussicht genommen war.

Die Fertigstellung des deutsch-holländischen Kabelnetzes im Stillen Ozean, das in Verbindung mit dem amerikanischen Pacisickabel den Hauptanstoß dazu gegeben hat, daß wenigstens an einem der wichtigsten Punkte der Erde, in Ost­asien, das Übergewicht der britischen Kabel jetzt für immer beseitigt worden ist, war die letzte bedeutsame Tat der energischen und zielbewußten deutschen Kabel­politik im überseeischen Verkehrswesen. In wenigen Jahren waren Erfolge erreicht worden, wie früher in Jahrzehnten nicht. Wird auch der Vorsprung, den England in der so ungemein wichtigen Kabelbeherrschung der Welt im Laufe von vierzig Jahren erreicht hat, von uns niemals eingeholt werden können, und entspricht auch der Anteil Deutschlands am Weltkabelnetz durchaus uicht der Bedeutung unsers Vaterlandes im Weltverkehr überhaupt, so sind wir doch in den letzten Jahren etwas aus dem Hintertreffen herausgekommen und verfügen zurzeit etwa über den fünfzehnten Teil des gesamten Weltkabelnetzes. Vor allem aber dürfen wir die frohe Zuversicht hegen, daß die Erweiterung der deutschen Kabellinien auch in Zukunft noch weitere glückliche Fortschritte machen wird.

l^AMG.

Eltern und Kinder

von Lrnst Borkorosky in Naumburg a. d. Saale

! ie Familiengruppenbilder, denen wir in der Geschichte der Malerei begegnen, haben fast allesamt etwas Befremdendes für uns; sie wirken kalt, wenn wir ihre malerischen Vorzüge einmal beiseite setzen und die Kunstwerke nur zu unserm Gemüte sprechen lassen. >Wir denken hier vor allem an die bekannten Votivbilder des sechzehnten Jahrhunderts, wo Vater und Mutter und Söhne und Töchter, schematisch nach Alter und Geschlecht geordnet, zu den Füßen ihres Heiligen knien. Aber eins empfinden wir dennoch: es lebt ein Zug wahren, hingebenden Gefühls in allen diesen Augen, und in den Köpfen wohnt eine charaktervolle

Grenzboten 1l 1907 3

^

chA