Die militärpolitische Lage in den Vereinigten Staaten
von Nordamerika
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lräsident Roosevelt ist ein großer Friedensfürst, aber vielleicht noch mehr ein kluger Kopf und ein sehr geschickter Politiker. Das hat seine Stellung im Konflikt mit Japan bewiesen, der, wenn er auch keinen kriegerischen Ausgang zu nehmen drohte, sich doch I sehr scharf zugespitzt und die Gemüter auf beiden Seiten zu großer Erregung angefacht hatte. Die Stellung des Bundesoberhauptes war in diesem Streite um so schwieriger, als Japan in der Forderung der Zulassung seiner Landsleute zu den kalifornischen Schulen nicht nachgeben wollte, es Wohl auch nicht mehr konnte, nachdem die ganze Frage mit dem Staatsinteresse und dem Prestige der Nation eng verquickt worden war, und da andrerseits die Machtbefugnisse des Präsidenten den Einzelstaaten gegenüber in ziemlich engen Grenzen gehalten sind. Wer nun unparteiisch die vorläufig vereinbarte Erledigung des Zwischenfalls prüft, wird zu keinem andern Resultat kommen, als daß der Erfolg auf feiten der Amerikaner liegt. Denn wenn auch Kalifornien im Interesse einer friedlichen Lösung schließlich darein gewilligt hat, daß seine Schulen den Japanern offen sein sollen, so hat es doch zugleich die für seine Interessen wichtigste Forderung erreicht durch Abschluß eines Vertrags der Bundesregierung mit dem asiatischen Eindringling, der die Ausschließung der Arbeiter des einen Landes aus dem andern vorsieht und damit einen Riegel vor alle unwillkommnen Gäste schiebt. Bei der Souveränität der Einzelstaaten und der eminenten Bedeutung der Arbeiterorganisationen, namentlich in Kalifornien und den beiden übrigen Gouvernements an der pazifischen Küste, läßt sich in der Tat der große Erfolg, der auf dieser Seite jetzt erkämpft worden ist, nicht verkennen. Nicht die achtzig japanischen Knaben, die ihren Zutritt zu den Schulen der Weißen erzwingen wollten, hatten den Unmut der kalifornischen Küstenbevölkerung in so hohem Maße erregt, sondern
Grenzboten I 1907 78