George Meredith als Psycholog
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, Es hat bisher in viele» Fällen zur Klärung solcher schwieriger Ver- mögensvcrhältnisse an einer absolut unabhängigen, vertrauenswürdigen Instanz gefehlt. In privaten Kreisen wird es freudig begrüßt werden, daß diese Lücke durch die Treuhandvereinigungen ausgefüllt wird. Im Interesse einer soliden Weiterentwicklung unsers Kreditverkehrs ist den Vereinigungen insbesondre für die Ausdehnung ihrer Revisionstätigkeit der beste Erfolg zn wünschen.
George Neredith als Psycholog
von Lrnst Groth
chvpenhciuer nennt den Roman einen „Guckkasten, darin man die Spasmen und Konvulsionen des geängstigten menschlichen Herzens betrachtet". Treten hierbei die objektiven Ereignisse, die äußere Handlung und das anschauliche Leben ganz hinter die Schilderung der inner» Vorgänge, des seelischen Lebens und der subjektiven Auffassuugen zurück, uud entwirft uns der Autor ein Bild von dem allmählichen Keimen, Wachsen und Herrschen einer Seelenerregung, einer Gemütsstimmung, einer Leidenschaft, schildert er die Entwicklung einer Idee oder eines Unternehmens von den ersten unscheinbaren Anfängen und dem dämmernden Zustande an bis znr vollen, alles beherrschenden Klarheit, so entsteht eine Biographie des innern Menschen, der psychologische Roman.*) Es ist erklärlich, daß diese Gattung der Novellistik, zu deren Verständnis ein fein organisiertes Seelenleben, viel Selbstbeobachtung und liebevolle Verinnerlichung notwendig sind, auf die große Masse des Lesepublikums nicht rechnen darf; denn der Durchschnittsleser will äußere Handlung, sichtbare Verwicklungen und den Kampf vollendeter Leidenschaften. Der Psycholog aber wird stets Gefahr laufeu, sich bei der vorsichtigen Enthüllung der oft unbewußt wirkenden Motive und bei der gewissenhaften Analyse der innern Vorgänge, der Phänomene des Herzens und des Geistes in mikroskopische Kleinmalerei zu verlieren oder dem sinnigen Nachgehen, dem Meditativen und Moralisierenden einen zu breiten Raum gewähren. Daher kommt es, daß der psychologische Roman oft nur zum Gefäß für die sozialethischen Anschauungen des Schriftstellers wird, für seine individuellen Gedankengebilde, für Aphorismen und Maximen. Das alles wäre freilich im Grunde kein Fehler, denn was könnte der epischen Dichtung angemessener sein als Gedankenreichtum und Gedankentiefe, und was ist erquickender, als in einem Roman eine Fülle von Lebensweisheit und Lebens-
Abschnitt aus der von Ernst Groth verfaßten, demnächst erscheinenden „Englischen Literatur der Gegenwart" in der zweiten Auflage von Müllers „Geschichte der englischen Literatur". Zwei Bände. Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. ^