Die Schöpfung der Sprache
245
faltig gestalteten Fach- und Fortbildungsschulwesens. Unsern deutschen zwei- oder gar einstündigen Fortbildungs- und Sonntagsunterricht erklärt der Verfasser, Georg Kerschensteiner, mit Recht für beinahe wertlos. Die geisteswissenschaftlichen Hochschulen, d. h. also die Universitäten, hat wieder Paulsen bearbeitet. Er legt unter anderm dar, daß es praktische Beweggründe gewesen seien, die den Fakultäten ihren Lehrstoff zugewiesen hätten, ohne Rücksicht auf die Stellung der einzelnen Fächer im Organismus der Wissenschaften, fügt jedoch hiuzu: „daß dies nicht im Sinne des Tadels gesagt ist; es liegt mir fern, die jüngst erhabne Forderung mir anzueignen, die theologische Fakultät in eine religionswissenschaftliche umzuwandeln oder sie etwa unter diesem Namen als Abteilung in die philosophische zu versetzen. Wer das wollte, der müßte ein gleiches natürlich auch für die juristische fordern nnd dann wohl anch die weitere Folgerung ziehn, daß diese religions- oder rechts- wissenschaftlichc Abteilung nun die Religionen oder die Rechtssysteme aller Völker der Erde, ohne allen Vorzug, ob christlich oder tibetanisch, römisch oder babylonisch, mit gleicher Eindringlichkeit erforsche und darstelle." Aus der Geschichte der Bibliotheken, die Fritz Milkau erzählt, wird der Leser viel Neues oder vielmehr ihm bisher unbekannt gebliebnes Altes erfahren, und er wird unter andern: darüber erstaunen, wie nachlässig und stiefmütterlich diese Anstalten, auf denen die Stetigkeit des Vildungsfortschritts zu einem so großen Teil beruht, bis in den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hinein behandelt worden sind. Für den soeben angegebnen Zweck der Bibliotheken hat auch „die Kultur der Gegenwart" etwas zu bedeuten. Sie ist selbst eine kleine Bibliothek, deren Inhalt als der Extrakt ganzer Bibliotheken bezeichnet werden kann, erzänzt durch vieles, was aus dem lebendigen Strome der Gegenwart geschöpft ist. Wer diesen Inhalt in sich aufgenommen hat, der hat damit eine sichere Grundlage gewonnen für ersprießliche selbständige Teilnahme an der Kulturarbeit unsrer Tage und unsers Volkes.
Die Schöpfung der Sprache
von Dr. Ernst Meyer in Duisburg
m vergangnen Jahre erschien im Verlage der Grenzboten unter dem Titel „Die Schöpfung der Sprache" ein interessantes Buch, das einen damals noch unbekannten Sprachforscher Wilhelm Meyer in Rinteln zum Verfasser hatte. Eine geradezu überraschende Fülle von nenen Erkenntnissen brachte dieses Werk, die Frucht jahrelanger, mühsamer Forschungen; und so wurde denn auch seine Bedeutung bald von größern Zeitungen und Zeitschriften besprochen. Allen voran ging die Kölnische Zeitung, die ihren bemerkenswerten Artikel mit den Worten