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Eine Ferienfahrt nach Brasilien. 2. Von Bahia bis Rio de Janeiro
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Gegen Abend fuhren wir von der Station Silvestre aus auf einem aus­sichtsreichen Wege, zuletzt über einen hohen Viadukt hinweg nach unserm Aus­gangspunkt zurück.

Zu meinem größten Bedauern mußte ich auf einen Besuch der Stadt Petropolis, der ehemaligen Sommerresidenz des letzten Kaiserpaares, verzichten, weil die Zeit dazu nicht mehr ausreichte. Am letzten Tage machte ich nur noch einen Spaziergang durch die Straßen, weil ich unter keinen Umständen zu spät kommen wollte. Nachmittags traten wir die Weiterfahrt an und ge­nossen das uns schon bekannte Panorama noch einmal in der unigekehrten Folge. Bei dem Umhergehn auf Deck bemerkte ich, daß an der Backbordseite eine große schwarze Tafel, die nach außen hin eine weiße Aufschrift trug, auf­gestellt war. Damit hatte es, wie mir der Kapitän auf meine Frage erklärte, folgende Bewandtnis. Die Hafenbehörde teilt dein am Pico liegenden Fort Santa Cruz für jedes im Hafen liegende Schiff ein Kennwort mit, das dem Kapitän erst bekannt gegeben wird, wenn er die meist recht gesalzne Rechnung über sämtliche Hafen- und sonstige Gebühren bezahlt hat. Dadurch daß der Prinz Sigismund das Kennwort ausstellte, wurde das Fort also davon unter­richtet, daß wir nichts mehr schuldig waren. Und in der Tat, als wir das Fort passierten, quittierte es durch Flaggengruß und ließ uns unbehelligt ziehn; hätten wir das Kennwort nicht gezeigt, so hätte es uns in den Grund geschossen.

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Historiker tun gewiß recht daran, in Zeiten heftiger politischer Be­wegungen von ihrem über Zeiten und Völker hinschauenden Stand­punkt in die kleinen und verwirrten Kämpfe der Nähe irgend­eine große Idee zu werfen, die den kleinen Vorgängen ihren I allgemeinen Sinn und dem Augenblicke sein Perspektive gibt. Was der Staatsmann verschweigen muß, kann der Historiker sagen.

Karl Lamprecht hat neulich von der Politisierung der neuen Gesellschaft gesprochen. Das Wort hat Widerhall gefunden. In weiten Kreisen herrscht das Gefühl, daß die Gesellschaftskreise, die viele allzu einfach die Regierenden nennen, mehr in dem Preußen der Vergangenheit als in dem Deutschland der Gegenwart fußen, nur ein kleiner Teil der Gesellschaft find, auf denen des Deutschen Reiches Interessen und Geschicke ruhen. Die ungeheure wirtschaft­liche Entwicklung Deutschlands seit 1870 habe eine neue Gesellschaft wachsen lassen, der glühende Strom neuen Lebens habe eine neue gesellschaftliche Ober­schicht emporgetragen, die gegenüber dem preußischen Landadel und den alten