144
Line Ferieilfahrt nach Brasilien
der menschlichen Gesinnungen, durch die schnellen Bewegungen derselben in mir selbst und in andern manches gelitten habe und leide, die erhabene Ruhe, die jene einsame stumme Nähe der großen, leise sprechenden Natur gewährt, und wer davon eine Ahndung hat, folge mir,"
(Line jerienfahrt nach Brasilien
von Präsident Dr. Lgon Reich
WM
^FV^S^S-^Ä
Von Bahia bis Rio de Janeiro
m folgenden Tage ertönte plötzlich der Ruf: Walfische! Und richtig, kaum hundert Meter entfernt, ganz unbekümmert um die Nähe des Schiffes, spielten zwei dieser riesigen Tiere, bliesen ! Wassersäulen in die Höhe, verschwanden auf kurze Zeit unter dem I Wasserspiegel und schnellten dann wieder bis zur Hülste der Leiber empor. In der Folge sahen wir noch öfters Wale. Sie werden in dieser Gegend häufig erlegt und in einer auf Jtaparica angelegten Transiederei verarbeitet.
Von der Küste hielten wir uns meist so weit entfernt, daß wir nur selten etwas Bestimmtes unterscheiden konnten, so am 21. Juli nachmittags eine Anhöhe, die dem Seefahrer zeigt, daß er sich bei der Stadt Victoria, Staat Espirito Santo, befindet. Die Nähe des Landes und die Schwierigkeit der Navigierung nötigte zu allgemeinem Bedauern den Kapitän, bei dem Abschiedsoder dem sogenannten Kapitänsessen, das an demselben Tage in dem mit Guirlanden und Flaggen festlich geschmückten Speisesaale stattfand, nur eine kurze Gastrolle zu geben.
Am nächsten Morgen wandten wir uns der Küste zu und passierten Cabo Frio. Diesen Namen — kaltes Kap — führt der jähe Absturz einer vierhundert Meter hohen Felseninsel, an der sich ein von Süden kommender kalter Meeresstrom bricht. Da das kühle Wasser von verschiednen Arten wohlschmeckender Fische bevorzugt wird, so haben sich viele Fischer in der Nähe angesiedelt. Die Temperatur des Wassers wird während der Fahrt regelmäßig alle vier Stunden gemessen und in eine Tabelle eingetragen, sodaß wir uns von der Frische des Wassers selbst überzeugen konnten. Die Insel ist von einem alten, einer Burgruine ähnlichen Turm gekrönt, der als ein für offnes Fener eingerichteter Leuchtturm erbaut war. Man hat ihn aufgegeben, weil die Bergspitze oft von Nebeln verhüllt ist, und auf halber Höhe einen den jetzigen Anforderungen entsprechenden Leuchtturm errichtet.