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Die Technik als Kulturmacht
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Die Technik als Kulturmacht

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nter diesem Titel hat Ulrich Wendt, der frühere Präsident der Ncichsdruckerei, kürzlich bei Georg Reimer ei» Buch veröffentlicht, das ein allgemeines und lebhaftes Interesse erregen muß. Der Verfasser hat sein Werk bescheiden eineStudie" genannt; in Wahrheit aber enthält dieses eine ebenso geistvolle wie vollständige Zusammenfassung der gesamten menschlichen Kulturgeschichte von einem neuen, überaus glücklichen und im besten Sinne modernen Standpunkte.

Die außerordentliche Bedeutung der Industrie im Leben der meisten Völker, namentlich auch für unser Vaterland, wird ja allgemein anerkannt; aber diese Anerkennung beschränkt sich im allgemeinen darauf, daß man die Mehrung des Wohlstandes hervorhebt und mit Zahlen nachweist, wie sehr sowohl die großen Vermögen wie der Lebensstand der Arbeiter gewachsen sind. Wendt hat diese Tatsachen und deren Folgen sehr viel tiefer erfaßt und den Nachweis geführt, daß die Technik nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die gesamten geistigen und sozialen Verhältnisse jedes Volkes auf das tiefgreifendste beeinflußt, ja geradezu als grundlegende Macht gestaltet und hierdurch zur wichtigste» Kultur­macht im Leben der Völker geworden ist. Das WortTechnik" bedeutet zwar zunächst nur eine Fertigkeit, deren Betätigung die mechanische Arbeit ist; aber wir müssen den Begriff der Technik etwas höher und schärfer als das geistige Element der Arbeit auffassen, oder als das Denken, das die stoffliche Arbeit beseelt und die mechanischen Arbeitsvorgänge leitet. Während alle diese Arbeit in der Einwirkung des Menschen auf den leblosen Stoff besteht, ist es die Auf­gabe der Technik, diese Tätigkeit geistig zu erfassen und in der Weise zu ver­vollkommnen, daß die Umgestaltung der Rohstoffe für die Zwecke der Kultur überall auf dem Wege des kleinsten Widerstandes erfolgt. Bei diesem Bestreben bewaffnete der Techniker bald die menschliche Hand mit Werkzeugen aller Art, bald ließ er die mannigfachen Kräfte der Natur selbständig aufeinander wirken, wodurch die wissenschaftliche Mechanik und die chemische Wissenschaft entstand. Es ist deshalb falsch, wenn man häufig umgekehrt die Technik als ein Er­zeugnis der Naturwissenschaft bezeichnet; die Entwicklungsgeschichte beider zeigt uns, daß es sich gerade umgekehrt verhält, indem erst eine hochstehende Technik die viel jüngere Naturwissenschaft erzeugt hat. Gegenwärtig fördern und stärken sich beide Mächte gegenseitig zum größten Segen der Kultur. Denn die hohe und ideale Aufgabe der Technik bestand von Beginn an darin, die menschliche