Erinnerungen aus der Bretagne
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Liturgie, innewohnt, und die naturgemäß um so mächtiger ist, je mehr das religiöse Leben, etwa noch unterstützt durch Priesterschaft und Kultgenossenschaften, zur Bewahrung des Überlieferten hinneigt. Die Tragödie, so tief religiös sie auch in ihren ersten Anfängen gestimmt sein mag, ist doch in dem Sinne eine Verweltlichung des Kultus, daß sie statt der Götter Heroen und Menschen in den Mittelpunkt der religiösen Ideen stellt, während die burleske Posse, eben weil sie von frühe an höchstens eine äußere Zugabe zum religiösen Kultus ist. diesen als solchen unberührt läßt. Darum sind die Kulturvölker von strengster Religiosität nicht zur Entwicklung einer Tragödie gelangt. So haben sie die Römer erst in später Zeit von den Griechen übernommen, und den Indern ist sie überhaupt fremd geblieben. Doch die strengere ist nicht unbedingt die tiefere Religiosität."
Wundts großes Werk bietet nicht bloß, wie der Leser aus diesen Proben erkannt haben wird, eine reiche Fülle belehrender und interessanter Tatsachen, sondern es löst auch eine für unsre Zeit hochwichtige Aufgabe: es zeigt, wie man die Menschheitsgeschichte „biologisch", vom Standpunkte der modernen Naturwissenschaft aus und nach ihrer Methode, behandeln kann, ohne die ideellen Werte zu leugnen oder zu zerstören, nach deren Verlust dieser modernen Wissenschaft selbst, wie dem Menschendasein überhaupt, nur noch ein sehr zweifelhafter Wert beigemessen werden könnte.
Erinnerungen aus der Bretagne
er in den letzten Jahren den Salon besucht oder in Deutschland internationale Kunstausstellungen gesehen hat, dem wird es nicht entgangen sein, daß überall Landschaften, Interieurs oder Typen aus der Bretagne vertreten waren. Und in manchem Beschauer >^wird der Wunsch erwacht sein, einmal diese Heiden und Felsen, ^se Schlösser und Städtchen in Wirklichkeit zu sehen, die frommen Fischer Nd Hirten und die Frauen in den saubern weißen Häubchen bei ihrer Arbeit chren Vergnügungen zu beobachten.
Mir wenigstens ist es so ergangen. Dazu kamen Erinnerungen aus der ^derzeit, wo mau über den Abenteuern des Königs Artus und seiner Tafelnde Vesperbrot und Schularbeiten vergaß. Da folgte man in atemloser pannung Herrn Jwein auf seinen Nitterfahrten, und die bretonischen Wälder . Uten Wider von Schwerterklirren und Fehdegeschrei. Wie viele Vorwitzige ^'tztc da Gawein, „die Blume der Ritterschaft", in den Sand! Im Schlosse ^aridol waltete Frau Ginover die Schöne; und vor den Toren von Nantes Grenzboten IV 1906 91