Beitrag 
Charakteristische Merkmale der Kriegführung Friedrichs des Großen, Napoleons und Moltkes
Seite
690
Einzelbild herunterladen
 

690

Wundts Geschichte der musischen Uünste

es sich angelegen sein lassen, Organisation, Bewaffnung und Ausbildung ihrer Armeen zu verbessern und die Wehrkraft nach jeder Richtung hin zu stärken. Der Befestigung sowohl des Schlachtfeldes wie des Operationsfeldes wird eine erhöhte Bedeutung zugemessen, und jede einzelne Macht ist bestrebt gewesen, sich die Vorteile der Initiative und Überraschung zu sichern. Wenn so die einzelnen Mächte ziemlich mit den gleichen Kampfmitteln ausgerüstet einander gegenübertreten werden, so wird die Angriffsmethode und Kriegführung doch nur von den Charaktereigenschaften des Feldherrn abhängig bleiben und von ihnen das eigentliche Gepräge erhalten. Nnr das eine wird man als be­stimmt voraussehen dürfen, daß von so schnellen und überraschenden Erfolgen, wie sie im Jahre 1870/71 von der deutschen Armee errungen wurden, in künftigen Kriegen keine Rede mehr wird sein können. Nicht nur die mannig­fachen starken Befestigungsanlagen werden ein Hindernis bilden und einen Aufenthalt notwendig machen, auch die Ansammlung der großen Heeresmassen und die Schwierigkeiten ihrer Verpflegung werden ihnen ebenfalls viel von ihrer frühern Beweglichkeit nehmen. Dadurch werden aber an die Führung wie an die Truppe gleich hohe Anforderungen herantreten, und die hohen Erwartungen an beide werden sich nur durch ein harmonisches Zusammen­wirken erfüllen lassen.

Wundts Geschichte der musischen Künste

^ - U

>ie Anfänge der musischen Künste sind schwieriger zu erforsche» als die der bildenden, weil jene, als Selbstdarstellungen des Künstlers, sich erst auf einer sehr hohen Stufe der Kulturent­wicklung in bleibenden Werken: Schriftdenkmälern, Noten, Musik- !instrnmenten, Abbildungen tanzender und mimender Menschen, objektivieren. Wir sind also für die Erforschung der Anfänge auf das Studium der Naturvölker angewiesen, die den Anfängen näher ftehn als die Kultur­völker, und deren Treiben ziemlich sichere Schlüsse auf noch frühere Stufen er­möglicht. Da sehen wir denn zunächst, daß ein Streit um die Priorität unter diesen Künsten keinen Sinn haben würde. Sie müssen alle zugleich entstanden sein. Der von Affekten ergriffne Naturmensch hüpft, gestikuliert, schreit, lärmt, saßt die mit dem Affekt verbundnen Vorstellungen in Worte, und aus diesen urwüchsigen Ausdrucksbewegungen sind die einzelnen musischen Künste hervor­gegangen. Auch der heutige Naturmensch trennt diese noch nicht voneinander. Er tanzt nicht, ohne zu singen und zu musizieren, und er singt nicht, ohne sich rhythmisch zu bewegen; was er singt, das ist gewöhnlich seine eigne, der augen­blicklichen Lage und Stimmung angemessene Improvisation, z. B. „Oh, oh! Der weiße Mann geht nach Hause, oh, oh, er geht nach Hause, oh, oh, nach Hause, in das glückliche Eiland, wo es Perlen gibt in Menge." Singen,