Minnesang und Satire
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und bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden Sammlung des einschlägigen Materials beruht, das aber jede Unterscheidung des Wichtigen und Unwichtigen und, einzelne Szenen abgerechnet, auch jede Gabe der Darstellung vermissen läßt. Für den ganzen Feldzug ist der beste und kundigste Führer auch für alle Einzelheiten, durch den mir vieles von dem, was ich selbst erlebt habe, erst klar geworden ist, Oskar von Lettow-Vorbeck, Oberst a> D., Geschichte des Krieges von 1866 in Deutschland, Berlin, E. S. Mittler und Sohn, drei Bände (erster Band: Gastein bis Langensalza, 1896, zweiter Band- Der Feldzug in Böhmen, 1899, dritter Band: Der Mainfeldzug, 1902) mit einer Menge trefflicher Karten und Pläne. Der leider vor wenigen Jahren in Oldenburg infolge eines Unfalls verstorbne Verfasser, selbst Teilnehmer am Feldzuge, hat außer der umfänglichen Literatur die ihm zugänglichen Archive auf beiden Seiten, vollständig das preußische Kriegsarchiv und eine Menge wichtiger persönlicher Aufzeichnungen und Auskünfte hervorragender Offiziere zu einem gewaltigen Gesamtbilde verarbeitet, mit dem Grade der Objektivität, die einen, Mitlebenden und Mithandelnden überhaupt möglich ist, und mit freimütigem Urteil. Er behandelt auch die politischen Vorgänge, die den Krieg herbeiführten und begleiteten, eingehend, das Schwergewicht aber liegt natürlich in der Darstellung der kriegerischen Ereignisse. Tag für Tag entfaltet sich auf jedem der großen Schauplätze das Drama vor unsern Augen, und da immer auch die Dispositionen der Kommandostellen mitgeteilt werden, so ist es möglich, tief in den Zusammenhang der Vorgänge und in die Motive der Führer hineinzusehen. Allerdings fehlt es der Erzählung, etwa mit Friedjungs glänzendem und ergreifendem Gemälde verglichen, einigermaßen an Farbe, das Streben nach militärischer Genauigkeit überwiegt, aber es mangelt nicht an gelungnen Charakterbildern der hervorragenden Führer: des Kronprinzen, des Prinzen Friedrich Karl, Benedeks u. a., denn nirgends mehr als im Kriege entscheidet die Persönlichkeit, ihre Einsicht und ihr Wille.
Minnesang und Satire
eder Mensch, jede Zeit bietet dem, der ein Auge dafür hat, eine komische Seite, um so mehr, je reicher und eigenartiger sich ihr Leben entfaltet hat. Nicht einmal das Höchste, Heilige bleibt vom Spott verschont, wie sollte das sein beim Gezierten, Übertriebnen, Konventionellen. Und von solchen Elementen ist der Minnesang ^oll sogar in seinen edelsten Blüten. Die susWn ^vort, das unmännliche Schmachten der eisenharten Ritter kann an sich schon ein Lächeln hervorrufen, notwendig aber fordert es den Spott heraus, wenn es einmal nur noch als herkömmliche Phrase, als feststehender lyrischer Stil auftritt, noch verbunden "nt allerlei Sprödigkeit, Gefahren und einer traumhaften Unklarheit über die Person der besungnen Frau. Nehmen wir dazu die völlig verrückten Ansichten über eheliche Liebe und Treue — ein französischer Minnehof gibt auf die «akademische" Frage, ob wahre Minne unter Eheleuten möglich sei, eine entschieden verneinende Antwort —, so verstehen wir, lvie ein unbefangner Beobachter, der seinen natürlichen Menschenverstand nicht einfach den Anschauungen der Gesellschaft unterordnete, den Kopf schütteln mußte. Stellen wir uns noch vor die Masse von Schundliteratur, die ein gütiges Schicksal uns vorenthalten hat,