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Russische Briefe. 3
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Deutsche Liebesbriefe

aber ist für den Materialismus der Sozialisten nvch nicht verbraucht genug. Ich stehe mit solchen Anschauungen heute nicht mehr allein da. Kein geringerer als Fürst Eugen Trubetzkoj schreibt zum Beispiel in Nr. 30 seines Moskowskij Jeshenjedjelnik anläßlich einer Verurteilung der Duma wegen ihres Verhaltens zum politischen Mord:Diese Tatsache zeigte, daß die Dumamehrheit nicht von ehrenhaften Idealen, sondern von opportunistischen Ideen geleitet wurde. ..."

Die Radikalen haben die Fesseln selbst geschmiedet, mit denen Rußland vielleicht wieder für kurze Zeit an den Pfahl einer selbstherrlichen Bureaukratie gebunden werden wird! Einen großen Überschuß an fortschrittlich denkenden Männern, die nicht Sozialisten sind, hat Rußland nicht, und es besteht die Gefahr, daß die kommenden Wahlen zerstören, was die Kadetten alsOswo- boshdjenee" vor 1905 geschaffen haben. Die Zukunft Nußlands ist heute durchaus noch nicht entschieden. Bei den nächsten Wahlen werden Republikaner und Absolutisten hart aneinander geraten, und der Zar wird nicht nur mutige sondern auch kluge Minister brauchen, wenn er sich und sein Land vor dem Ärgsten bewahren will. Gegenwärtig scheint P. A. Stolypin auf dem richtigen Wege zu sein hoffentlich gleitet er nicht in die Bahn derAllrussischen Männer".

St. Petersburg, den 23. Oktober ^906

Deutsche Liebesbriefe

ulius Zeitler, der Verfasser mehrerer tüchtiger Werke aus dem Gebiete der Ästhetik und geschmackvolle Übersetzer, hat im vorigen Jahre im eignen Verlag eine SammlungDeutsche Liebes­briefe aus neun Jahrhunderten" herausgegeben. In einerEin­führung" begründet er in überzeugender Weise die Berechtigung seines Unternehmens und erzählt, nach welchen Grundsätzen er diesesArchiv des Herzens" angelegt hat. Mustern wir einmal den bunten Inhalt!

Die ersten der mitgeteilten Episteln stammen aus dem zwölften Jahr­hundert. In einem wohldisponierten Schreiben, das allerlei allgemeine Be­trachtungen über Freundschaft, Glauben und Trene enthält, sucht die Liebende bei aller Ergebenheit (sie schließt mit dem berühmten clu bist Niln, ik bin ä!n usw.) dem Geliebten gegenüber ihren Standpunkt zu wahren. Die Ritter, vor denen sie der Freund gewarnt hat, vermag sie nicht ganz zu verschmähen, denn sie gelten ihr als Quelle und Ursprung aller Ehre. Der Empfänger macht ihr in seinem Antwortbrief deshalb Vorwürfe, die sie dem Mißtrauischen in einem neuen Schreiben zurückgibt.

Hatte sie dem Adressatenalles, was fröhlich ist, alles, was selig ist",