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In der Residenz zu Meinhausen
von Maina I^nsen (Fortsetzung)
er Empfangstag im Schlosse war gekommen. Seit Tagen schon hatte die Erregung deutlich auf allen Gesichtern gelegen —- war durch die Straßen geschwirrt. Und alles war gebeten! Von den Spitzen bis zu den Subalternen hinab! Das ließ bei den letzten die Wagschale für den Herrn Minister Plötzlich schwer und voll herabsinken, Ideuu augenscheinlich dankte man es doch ihm. Seine Durchlaucht richtete sich in diesen Dingen ja eigentlich ganz nach seinem Rate. Da war er doch mal wieder beamtenfreundlich gewesen! —
Ob ich mei Gelbs anzieh oder mei Rots? In ihrer Erregung vergaß sich die Frau Amtssekretär so weit, hierüber die Frau Regierungsrat Klipfel zu fragen, die sie auf der Straße flüchtig angeredet hatte.
Da müssen Sie sich an Ihre Rangklasse wenden — die Rätinnen erscheinen nach der Vorschrift!
Da hatte sies! Mit tränengewischten Augen kam sie nach Haus. Ja, wie oft muß ichs dir noch sage, räsonierte ihr Mann, daß man sich nie so weit vergesse soll!
Nun strahlte der weiße, vergoldete Rokokosaal in blendendem Lichterglanz. In feierlicher Ordnung waren die Beamten aufgestellt. Daneben drängte sich flüsternd die Reihe ihrer Frauen. Die Häßlichen ein bißchen mehr nach vorn, die Hübschern etwas nach hinten gerückt — man konnte nie wissen —
Befriedigt musterte der Herr Minister und Hofmarschall aus der Ferue seine Anordnung.
Jösses Schnetzer! Dei Aufhünger steht dir naus! flüsterte erregt die dicke Gattin des Herrn Bürgermeisters und Standesbeamten. Eilig wurde die schwarze Öse unter den Rockkragen heruntergebogen.
Der hat halt auch mal was anders sehe wolle als die Bureautür! meinte einer, und Murmelnder Beifall belohnte den Witz.
Nnn, so fröhlich, meine Herren? Der Minister trat hinzu. In dunkelblauem Stahlglanz ruhten seine Augen prüfend auf den Gesichtern, über die es plötzlich wie Schatten herunterfiel. Aber er bemerkte es nicht. Mit einem bezaubernden Lächeln nm den kleinen Mund wandte er sich nun an die junge Assessorin nebenan.
Sie war die hübscheste unter den Frauen. Ein mächtiger dunkler Haarknoteu krönte das ovale blasse Gesichtchen. Jetzt aber übergoß es sich mit Purpurglut.
Auch Rosen blühen heute im Saal, sprach er leise, blühen und freuen sich ihres Daseins! Darf man als Beglückter den Grund dieser Freude teilen?
Dem Herrn Bürgermeister sein Aufhänger — ist hercmsgestandeu — stammelte die kleine Frau, und ein scheuer Blick zitterte aus deu dunkeln Augen in die seinen. Er trat etwas seitwärts von den übrigen zurück, und unwillkürlich folgte sie ihm