Maßgebliches und Unmaßgebliches
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begegneten, hatten einen Ausdruck, der ihr plötzlich in seinem Arm noch wärmer machte. Jetzt weiß ich, daß du die ganze Zeit Recht gehabt hast, und ich hatte Unrecht. Ich habe versucht Mir alle Türen selbst zu verschließen, habe dir Hohn und Härte gezeigt, habe andre Frauen zwischen uns gestellt, Sünde und Ver- irrungen auf dem Wege aufgehäuft, der von mir zu dir führte. Weil ich zu stolz war, weil du mehr zu geben hattest als ich, der ich doch ein Mann war ... Ich Tor! — du bist gekommen — mit der Spitze deines Fußes hast du alle Hindernisse beiseite gestoßen; dein Hauch hat alle häßlichen Gedanken weggeweht, hat die Luft um mich her rein gemacht. Meinen Stolz, den ich von Stahl und Eisen glaubte, hast du zwischen deinen Fingern zerbröckelt, als sei er ein sprödes, verwelktes Blatt. Sieh, meine Geliebte — er zog sie fester an sich und sprach leise, fast in ihr Ohr hinein — ich glaube nun weder an Ehre oder Unehre, weder an Reichtum noch an Armut. Ich glaube nur an dich — wie du hier bei mir stehst — an dein Herz, das ich gegen meine Hand Pochen fühle, und an das Licht deiner lieben Augen ... Er fiel vor ihr auf die Knie, schlang seinen starken Arm fest um sie und barg sein Antlitz in ihrem Kleide. Bleibe bei mir, bettelte er.
Sie schwankte in seinem Arm, konnte sich nicht rühren, so fest hielt er sie — stützte sich mit beiden Händen gegen seinen Kopf. Sie lachte vor Glück, war rot und heiß, ihre Augen glänzten von Tränen.
Harry, sagte sie — und wie einen Kamm führte sie ihre Finger durch sein langes Haar. Vorhin — damals, als ich kam — wollte ich wieder weggehn — es war meine Absicht — ich wollte wieder gehn. Aber ich kann nicht . . . Meine Füße sind wie Blei, es ist mir unmöglich, sie aufzuheben. Sieh — ich kann nicht von dir gehn ...
Sie machte einen schwachen Versuch, sich loszureißen — er hielt sie noch fester und hob sein dunkles, strahlendes Antlitz zu dem ihren empor.
Sie stand da, die Hände auf seine Schultern gelehnt, und lächelte auf ihn hinab — ebenso entzückt, ebenso voller Wonne wie er, ohne alle Angst. Dann seufzte sie leicht, wandte den Kopf halb über die Schulter und sah nach der Tür.
Sie ist geschlossen, sagte Henry Percy gedämpft. Wir sind allein.
Übersetzt von Mathilde Mann
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel. (Über die künftige Ressortierung der „Schutztruppen". Italiens Freunde und Verbündete. Eine anglo-französische Militärkonvention? Veraltete Allianzen und moderne Ententen in englischer Auffassung.)
Zu der an dieser Stelle und danach auch sonst in der Presse mehrfach erörterten Frage, die Schutztruppen — um die so wenig sympathische und wenig sachliche Bezeichnung beizubehalten — von der Kolonialverwaltung zu trennen und dem Kriegsministerium zu unterstellen, hat sich neuerdings eine Stimme im Berliner Lokalanzeiger geäußert, die die Untunlichkeit einer solchen Änderung darzutun sich bemüht zeigt. Es wird unter anderm darin behauptet, eine solche Reform sei ohne Verfassungsänderung nicht durchführbar: die Schutztruppe sei eine Reichstruppe. Würde ihr Oberkommando dem preußischen Kriegsministerium unterstellt, so läge darin ein Eingriff in die Rechte der Bundesstaaten und eine Schmälerung ihrer Kompetenzen. Auch könnte man in einer solchen Neuerung den Anfang zur Ausbildung eines