Beitrag 
Elizabeth Percy. 1. Elizabetha
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

(Llizabeth percy

von Matilda Malling

Lut vliils I tiius vitli tliis ^ouvA lion xla^scl . , .

Sir I>KiIii> Siänsx i^stroMel anä Stella)

^. Llizabetha

Noi'tliuMlzi'iÄS oowitum tili^

ie war groß und schlank wie eine junge Tanne, den Kopf im Nacken und die Arme auf dem Rücken — dünne Arme, schmale Schullern und ein Busen wie der eines Kindes. Das Gesicht war klein, das Haar stark — mächtiges rotbraunes Haar mit einem warmen sonnigen Farbenton, widerspenstig, kraus und unbändig. Sie war blaß und zart, bleich und von feiner Haut, mit einigen kleinen Sommersprossen über der geraden kurzen Nase und ein Paar großen graubraunen Augen, schwarz- umfrcmst, schön, hochmütig und lachlustig. Ein roter Mund, halb geöffnet, wenn sie lauschte, das Kinn immer in der Luft . . .

So sah sie aus, Elizabeth Percy, als sie siebzehn Jahre alt und schon die Witwe von Henry Cavendish, Lord Ogle geworden war.

An der Art und Weise jedoch, wie sie den Fuß auf den Boden setzte, wenn sie ging, oder den Kopf umwandte, wenn jemand sie von hinten anredete, konnte man sehen, daß sie sehr wohl wußte, wer sie war: Lady Elizabeth Percy, die einzige überlebende Tochter des letzten Jarl von Northumberland, in der ovvn riM Baronin Percy, Poynings, Fitz Payne Brycm und Latimer, verwitwete Gräfin von Ogle, die reichste Lady in ganz England und die begehrteste.

Sie ging in der äußern Wachtstube auf Alnwick ans und ab. Das dunkel­grüne Sammetüberkleid, das von der Spitze der Schneppentaille über eine kürzere hellgrüne Vorderbahn fiel, fegte den steinernen Fußboden mit seiner Schleppe; die beiden Hände hielt sie in einem großen Pelzmuff vor sich hin. Über den nackten Hals bis ganz hinab auf die faltenreichen Spitzenärmel fiel ein breiter, gelber Pelzkragen, der unter dem Kinn durch einen großen Smaragdschmuck zusammengehalten wurde. Vom Scheitel herab über das dicke rotbraune Haar, das sie in langen Locken über die Ohreu und die Wangen trug, floß ein weicher, grauer Spitzenschleier, in den kleine goldne Punkte eingewebt waren. Es war eis­kalt in dem Raume, und von Zeit zu Zeit, mitten in ihrer Wanderung, stampfte sie mit ihrem stumpfen, hochhackigen Schuh kräftig ans den Fußboden.

Hinten in dem schmalen, spitzigen Fenster, auf dem breiten Fensterbrett, den Nacken gegen den Fensterpfosten gelehnt, mit dem einen Fuß hin und her baumelnd, den andern auf den Fußboden gestützt, saß ein junger Mann in gelben Reitstiefeln mit hohen über das Knie reichenden Stulpen, eine breite, scharlachrote Schärpe um die Taille und mit einem blauen Tuchrock. Obwohl seine Stellung gerade jetzt so gänzlich nachlässig und gleichgiltig war, konnte man doch sehen, von wie hohem und