Argentinien
Ein Leitrag zur Auswanderungsfrage von A. von yoyningen Hnene
eitdem wir Kolonialpolitik treiben, machen sich bei uns die Leute, die gern ein kluges Wort sagen, unangenehm breit. Jeder, der einmal einen Auswandrertransport abgehn sah, oder der einen Verwandten in Amerika hat, hält sich heutzutage für berechtigt, öffentlich über Auswanderung und Kolonisation zu reden und zu schreiben, wer auch nur einen Tag in einem fremden Hafen war, ist über die Verhältnisse des betreffenden Landes vorzüglich unterrichtet und läßt sein Licht leuchten. Einige nehmen sich nicht einmal die Mühe, sich das Land, über das sie schreiben oder reden wollen, anzusehen, geschweige denn es sorgsam zu studieren. Es geht ja auch so, und zwar unendlich viel billiger und bequemer; aber dieses Reden und Schreiben über Dinge, von denen man nichts versteht, hat dem Reiche Millionen gekostet und viele Zehntausende unsrer Volksgenossen in Gebiete gelockt, wo sie, wenn sie auch ihr Fortkommen finden mögen, für das Deutschtum verloren sind.
Welchen ungeheuern Schaden hat allein der unglückliche Bamberger mit seiner berüchtigten Reichstagsrede vom 27. April 1880, die uns die Samoa- wseln, die Tonga- und die Salomoninseln kostete und große Opfer an Blut und Geld brachte, angerichtet! Darüber sind nun sechsundzwanzig Jahre vergangen, aber trotzdem daß unsre Kenntnis fremder Länder und Völker seitdem unendlich gewachsen ist, laufen doch noch große und kleine Bamberger genug unter uns herum, die immer ihr dankbares Publikum finden und sogar in großen angesehenen Zeitungen noch zu Wort kommen. Ich rede hier selbstverständlich nicht von den Leuten, die es als Ehrensache ansehen, jeden Fortschritt unsrer nationalen Entwicklung nach Möglichkeit anzufeinden, sondern von denen, die sie durch leichtfertiges Schreiben und Reden empfindlich schädigen, wie es
Grenzvoten III 1906 23