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Polen und die Polen in heutigen Europa
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Polen und die Polen im heutigen Europa

von L, Fitger

! ie Redaktion des polnischen Blattes Krytika in Kralan versendet an eine Anzahl Männer von Ruf einen Fragebogen mit folgendem ^ Inhalt:

1. Ist vom Standpunkte des Völkerrechts aus das Streben Ides polnischen Volkes nach Wiedergewinnung einer unabhängigen Existenz in den Grenzen seines heutigen Sprachgebiets als berechtigt anzu­erkennen, oder nicht?

2. Ist im Interesse der europäischen Gesamtkultur die Erhaltung und selbständige kulturelle Weiterentwicklung der polnischen Nation im Rahmen eines unabhängigen Staatswesens wünschenswert oder unerwünscht?

3. Welchen Einfluß ans die europäische und Weltpolitik Hütte »,) die Um­wandlung Rnssisch-Polens (innerhalb seiner heutigen ethnographischen Grenzen, also ohne Litauen und die ruthenischen Lande) in ein autonomes, dem russischen Reiche föderativ angeschlossenes Gebiet mit eignem Landtag, eigner Landes­regierung und eignem Wehrwesen, die Umwandlung des gesamten polnischen Sprachgebiets in eine unabhängige demokratische Republik, in deren Grenzen sämtliche Einwohner ohne Unterschied der Konfession und Nationalität politisch und staatsbürgerlich gleichberechtigt wären?

Es dürfte nicht ratsam sein, auf die beiden letzten Fragen eine Antwort zu geben, denn notwendigerweise müßte diese kränkend für Nußland sein. Man redet allenfalls über die Abtrennung dieser oder jener Provinz aus dem Reiche des Sultans, aber nicht aus dem des Zaren, mit dessen Negierung Deutschland durchaus auf dem Boden normaler, freundschaftlicher Beziehungen steht. Mit Rußland mögen die Polen selbst ihre Abrechnung halten. Ruhiger beurteilt Österreich die Frage, denn wenn es je zur Wiederherstellung eines polnischen Grenzboten III 1906 8