Über den Brenner
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Anfange des vierten vorchristlichen Jahrhunderts die ganze Mitte der Potiefebene zwischen den Ligurern im Westen, den (illyrischen) Venetern im Osten, südlich vom Apennin Etrnrien bis zum Tiber beherrschten; sie sind also längs jener großen nordsüdlichen Linie vorgerückt, und ciuem der rätischen Stämme, den Breonen, verdankt der Brenner seinen Namen, Die keltische Sturmflut, die seit dem füufteu Jahrhundert von Westen hereinbrach und den Etruskeru das Polcmd entriß, schob auch die Räter in das Hochgebirge zurück, uahm ihneu Verona und Trident, In dieser Abgeschiedenheit aber behaupteten sie sich durch alle Zeiten, und noch jetzt leben die Namen einiger ihrer Stämme in der Bezeichnung tirolischer Landschaften fort: der Brenner heißt nach den Breonen, der Eisack (Jsarcus) nach den Jsarkern, der Vintschgan nach den Venosten, das Nontal (Val di Non) nach den Anaunern, Ans dieser Abgeschiedenheit wurden die Räter erst durch die Ausbreitung der römischen Herrschaft herausgerissen, als diese um 200 v, Chr, das Keltenland am Po endlich bemeisterte und bis an den Fuß der Alpen vordrang. Damit trat auch die Brennerstraße allmählich in den Gesichtskreis der Römer, sehr nachdrücklich, als im Jahre 101 v. Chr. die Cimbern auf ihr südwärts zogeu und das römische Heer, das sie bei Trident erwartete, zum eiligen Abzug zwangen. Aber erst die fortdauernden Raubzüge der Rüter, die auch die Anlage der römischen Kolonie Cvmum (Como) veranlaßte, führte im Jahre 15 v, Chr. zur Unterwerfung Rütiens. Die neue Provinz dieses Namens reichte im Westen am Südufer des Bodensees bis Tasgcitium (Eschenz) bei Stein am Rhein, umfaßte also uicht nur das Oberrheintal mit den Tälern des Vorder- und Hinterrheins bis zum Gotthardstock samt dem Oberengadin, sondern auch den obersten Teil des Reußwls und das ganze Wallis (Vallis Poenina) bis an den Genfer See; im Norden dehnte sie sich bis znr obern Donau aus, im Westen bis an den Jnn und den Ziller. Der Süden des Landes mit den nun unter latinischem Recht römisch organisierten Stadtgemeinden Verona, Trident und Feltria (Feltre) war schon um 89 zum cisalpinischen Gallien geschlagen und von Rätien losgerissen worden, sodaß die Grenze Rütiens seitdem bei Klausen an der Etsch verlief. Kaiser Augustus zog endlich jenes ganze Gebiet, nachdem schon Cäsar 4-9 dein cisalpinischen Gallien das römische Bürgerrecht verliehen hatte, zu Italien.
Augustus war es auch, der die Brennerstraße eröffnete (Via Augusta). Sie lief, wie natürlich, von Verona im Etschtcile über Trident nach Klausen, wo die Zollgrenze war, bog bei Bozen (Bauzanum) in das Eisacktal ein, erreichte, dessen Engen zuweilen umgehend, bei Vipitenum (Sterzing) den Fuß des Brenners, beiVeldidena (Mitten südlich von Innsbruck) das Jnntal. Aber dessen breiter und damals wahrscheinlich versumpfter Sohle folgte sie nicht nach Osten zu dem bequemsten Ausgange auf die oberbayrische Hochebene, womit sie sich, wie die heutige Eisenbahn, jeden weitern Gebirgsübergcmg erspart hätte, sondern sie zog ein Stück westwärts bis Zirl und erstieg dann die steile Wand der Scharnitz, um von dort über Seefeld, Mittenwald und Partentirchen (Partanum)