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Zwei kulturgeschichtliche Werke
zuschreiten, um nur recht vielen Zwischenhändlern das Dasein zu ermöglichen; es wäre dies ungefähr so, als sollte man die Gebühren der Rechtsanwälte und der Ärzte deshalb erhöhen, weil bei der Überfüllung dieser Berufe viele Anwälte und Ärzte kaum ihr Auskommen haben. Wenn plötzlich die Hälfte aller Zwischenhändler ihr Geschäft einstellen würde, so würden die Konsumenten hiervon gar nichts merken, d. h. sie würden ihre Bedürfnisse ebenso gut, schnell und billig befriedigen können wie jetzt. Wir haben aber mindestens noch einmal soviel Zwischenhändler, als eine gesunde Volkswirtschaft verlangt. Und dabei haben wir in Berlin etwa fünftausend stellenlose Handlungsgehilfen, und in andern großen Städten ist die Sache ungefähr ebenso. Das leidige Streben der Eltern in den unbemittelten oder minder bemittelten Kreisen, ihre Kinder vor anstrengender Arbeit zu bewahren und ihnen eine Stellung zu verschaffen, die der der Eltern „über" ist, veranlaßt sie, die Kinder dem kaufmännischen Berufe zuzuführen; daher auf der andern Seite der Mangel an Handarbeitern, Handwerkern, Volksschullehrern, Unteroffizieren und Unterbeamten. Und der Leichtsinn, mit dem sich der junge Kaufmann wirtschaftlich selbständig macht, wird wieder gefördert durch die Aussicht, schlimmstenfalls ja im Konkurs mit den Gläubigern akkordieren zu können, sich also wiederum jahrelang wirtschaftlich selbständig erhalten zu können, ohne — Arbeit und ohne Vermögen. Dadurch wird aber beim Arbeiter und beim Handwerker Verbitterung und Unzufriedenheit groß gezogen; denn er sieht, daß andre, die nur ein Scheinvermögen haben und im Grunde genommen doch ebenfalls zu den Besitzlosen gehören, sich durch den bequemen Zwangsvergleich eine leichtsinnig begonnene wirtschaftliche Selbständigkeit ohne geistige und körperliche Arbeit erhalten. Darum weg mit dem Zwangsvergleich; ein Reichsgesetz des kurzen Inhalts: „Der sechste Titel des zweiten Buchs der Konkursordnung wird aufgehoben", wäre eine sozialpolitische Wohltat.
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! artwell Jones erkennt die Stellung, die von der neuern Forschung der Biologie eingeräumt worden ist, an und entnimmt ihr den Gedanken der Entwicklung, der die Veränderungen sehr langsam und allmählich in langen Zeiträumen nach Naturgesetzen geschehn j läßt; aber er findet, dafür sich unter andern auf Lotze berufend, diesen Entwicklungsgedanken in Übereinstimmung mit dem Christentum. Denn das Naturgesetz sei eben Gottes Gesetz, und jede Entwicklung setze die von Gott verliehene Anlage voraus. Auf der Wechselwirkung zwischen den ver- schiednen Anlagen und der umgebenden Natur beruhe die Verschiedenheit der Rassen, auch die der verschiednen Völker einer Rasse, wie der Griechen und der Jtaliker. Er beschränkt seine Darstellung in Ilavn LuroxöW Civilisation