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Elisabeth Barrett-Browning
ihre Sache. Aber sie schafft die feste Grundlage für eine wissenschaftliche Genealogie der Hohenzollern, führt sie uns alle vor, wie sie seit 1061 bis auf den heutigen Tag ins Leben traten, auch die Mitglieder der ausgestorbnen Linien. Und wir erfahren, welche Stellung sie im Leben eingenommen haben, ob sie Regierende waren, ob sie als Krieger im Felde standen und ihre Waffen bis nach Palästina trugen, oder als Gottgeweihte einem Kloster angehörten, oder was bei vielen männlichen Mitgliedern der Fall ist, als Domherren einem Stift angehörten, wobei es dann vorkam, daß ein solcher Domherr, um das Aussterben des Stammes zu verhindern, in den Laienstand zurücktrat und — immer mit Erfolg — heiratete. Was immer in einen Stammbaum hineingehört, haben wir hier beisammen. Das Horazische nouuin xisniAwr in snnum trifft für die neue Genealogie ein; denn vor mehr als neun Jahren wurde sie begonnen, aber Wert behält sie für mehr als zwanzig-, dreißigmal neun Jahre, wenn ihr damit auch nicht zugesprochen werden soll, daß sie über Irrtümer hinaus sei; denn das, was Menschen seinen Ursprung verdankt, bleibt dem Irrtum unterworfen.
Elisabeth Varrett - Browning
von m. I. Minckwitz
m 12. September 1846 vermählte sich der jugendkräftige Dichter Robert Browning mit der sechs Jahre ältern, kränklichen Elisabeth Barrett und schloß damit einen Ehebund, wie er schöner niemals auf der Basis unwandelbarer Liebe von geistig ebenbürtigen Menschen begründet worden ist. Für die Dichterin wurde diese späte Heirat (sie war 1806 geboren) zum starken Anker, der ihr gebrechliches Lebensschifflein noch volle fünfzehn Jahre sicherte. Denn das neuvermählte Paar flüchtete alsbald vor dem englischen Nebelklima, um von Italiens Sonne Heilung oder wenigstens Stärkung für die Kranke zu suchen. Der Aufenthalt im Süden wirkte Wunder, uud das Wagnis glückte unter besonders schwierigen Verhältnissen. Zieht man die Briefe und die Dichtungen in Betracht, die auf diesen wichtigsten Lebensabschnitt der Dichterin Bezug haben, so erscheint es geradezu rätselhaft, wie sich dieser zarte Körper, in dem eine so überaus sensitive Seele wohnte, durch die schwersten Aufregungen hindurchgekämpft hat. Die Leidende quälte sich mit düstern Betrachtungen über ihren Gesundheitszustand, zugleich aber auch mit der festen Voraussicht, daß ihre Heirat die lebenslängliche Trennung vom Vaterhause zur Folge haben würde. Denn die Trauung mußte heimlich, die Abreise nach Italien ohne Abschied vom Vater erfolgen, der sein Jawort um keinen Preis gegeben hätte. In diesem Falle handelte es sich um die eigentümliche Marotte, herangewachsnen Söhnen wie Töchtern kein Anrecht auf eignes Familienglück zuerkennen zu wollen. Auch ein Bruder und eine Schwester der Dichterin, die ihrem Beispiel folgten, sahen alle später unternommnen Anssöhnuugsversuche an dem Starrsinn des Vaters