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Aus dem Unglücksjahre 1807 : Erlebnisse und Wahrnehmungen eines hohen französischen Offiziers in Ost- und Westpreußen. 2.
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Die Strafstunde

Am Tage darauf am 26. Juni rücken russische Truppen in Tilsit ein, das man ihnen zur Hälfte einräumt. Auch Kaiser Alexander hält seinen Einzug und wird hier in einer schönen Wohnung mehrere Tage bleiben. Am Mittag dieses Tages wiederholt sich das Schauspiel von gestern; der Pavillon inmitten des Flusses ist heute bunt bemalt und innen noch reicher dekoriert, von außen ziehn sich Laubgewinde herum; auf der russischen Seite prangt in Grün ein großes ^, auf der andern ein 15. Rings um das Floß ist eine (mangels der Olbaumzweige) mit Eichenlaub gezierte Balustrade gezogen. Frische Bäume be­schatten den Pavillon und eine daneben aufgeführte Baracke für die Marschülle und Großoffiziere. Auf beiden Seiten des Flusses stehn die Garden in Parade­aufstellung unter Waffen. Wiederum ein Viertelstündchen nach 12 Uhr findet die Zusammenkunft statt; mit Alexander kommt heute König Friedrich Wilhelm. Napoleon, der seinen hohen preußischen Orden angelegt hat, umarmt den König. Sonst verläuft die Sache ganz wie am Tage zuvor.*)

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Die Strafstunde

!nd Sie, Herr Kollege, müssen noch die Strafstunde übernehmen! Mit diesen Worten, die er an meine schon bescheiden im Hinter­grunde verschwindende Person richtete, schloß der Rektor des Gymnasiums seine Auseinandersetzung über die Verteilung der Lektionen für das nächste Schuljahr.

Tröstliche Aussicht! Dem Laien mag bei der Aufsicht über den wöchentlich einmal abzuhaltenden Schularrest die Vorstellung vorschweben, daß es damit eine ähnliche Bewandtnis habe wie mit dem Nachexerzieren auf dem Exerzierplatze. Die Kompagnie, die etwasverdorben" hat, muß noch ein weiteres Stündchen das Vernachlässigte nachholen, und deraufsichthabende" Leutnant hat auch gar oft die Erweiterung seiner dienstlichen Obliegenheiten als Quittung dafür zu betrachten, daß ihm so manches, um mich milde auszudrücken, minder wohl" gelungen ist.

Im Schulleben ist die Sache noch viel schlimmer; denn erstens ist die Aufsicht" nur sehr teilweise wohlverdient, in der Regel ist man der Lastträger für allerhand andern zukommende Unzutrüglichkeiten; und zweitens: leb wohl, du schöner, freier Sonnabendnachmittag! Wenn sich nach Tische eine Schar froher Manner rüstet, um mit Stock oder lieber Regenschirm ausgerüstet einmal sich ordentlich auszulaufen"; wenn im Sonnenstrahl die Brillengläser funkeln,

Die Nachricht der Gräsin von Voß (69 Jahre am preußischen Hofe, S. 304), wonach König Friedrich Wilhelm damals mit ausgesuchter Gleichgiltigkeit und Kälte behandelt worden sei, ist wohl übertrieben, und falsch sicherlich die, daß der König im zweiten Häuschen empfangen worden sei. Die Bitterkeit der Gräfin von Voß hatte wohl nicht ihren einzigen Grund in ihrem preußischen Patriotismus. Wenn es wahr ist, was Napoleons Kammerdiener Constant in seinen Memoiren (III, S. 294) erzählt, daß die Gräfin (denn es kann nur sie gemeint sein) vom Großfürsten Konstantin in Gegenwart Murats brutal beleidigt worden sei (er soll sie I» visills bevÄSss genannt haben), so mußte sie freilich mit den unangenehmsten Eindrücke«, von Tilsit geschieden sein.