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Anastasius Grün : ein Gedenkblatt zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages :
(Schluß)
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Antonio Fogazzaro

In den letzten Lebensjahren hatte er sich nm liebsten in dem schönen Beides am See aufgehalten. Ihm galt auch sein Schwcmenlied vom Sommer 1876:

Bote des Himmels zugleich und Blume der Erde,

Steuert ein einzelner Schwan durch diese Wellen

Wellengeriesel und glühende Flimmerlichter

Reißen tanzende Furchen in seine Flächen.

Und der Bilder Konturen ersaßt ein Zittern,

Daß ihr Band sich löst, in StUcke zerrissen,

Daß der Berge Säulen, querüber gespalten,

Daß die Gletscher zerborsten, die Wälder gebrochen.

Über den Schwankenden schwebst du, einsamer Lotse.

Über dem Wellenspiel der fliehenden Stunde,

Über dein Zeitenschutte und Völkerstaube,

Über den Urnen nschegewordener Herzen,

Ihrem Wünschen und Dulde», Irren und Hoffen,

Lebt geläutert fort, wonach sie gerungen,

Schwebt der Wahrheit ewiger Lichtgedanke.

Ja, ein Wahrheitsucher ist Anastasins Grün gewesen sein Leben lang, bis der Tod ihm die Augen und die Lippen schloß. Graf Anersperg sei ge­schieden, so schrieb K. Grün in dem Nekrologe von 1876, aber Anastasins Grün lebe, der Aufersteher mit jedem Frühling, mit jedem grünen Blatte, und auch Graf Auersperg lebe noch, wenn wirs genauer bedächten, der un- erschrockne Verteidiger des Rechts, der Herold des Lichts. Und so ist es. Der freisinnige, charaktervolle Politiker, der warmherzige Freund des Volkes und zugleich, untrennbar mit ihm verbunden, der hinreißende, für Recht, Freiheit, Vaterland und Wahrheit allezeit begeisterte Poet: er gehört zu denen, die das deutsche Volk nie vergißt, in allen Zeiten. Er trägt die Krone der Unsterblichkeit.

Antonio Fogazzaro

von Rene prevöt

>ill man in einer Zeit, wo die literarischc Unzuverlässigkcit des internationalen Büchermarkts der Kritik die ernste Pflege guter heimatlicher Produktion, die Auffindung und die Unterstützung nationaler Talente zu der ersten Pflicht macht, einem fremdlün- ! discheu Schriftsteller das Wort reden, dann muß man gnte Gründe dafür haben. Daß sich in den Werken des Norditalieners Antonio Fogazzarv nach dem Urteil einiger seiner Landsleute recht vieles findet, was dem deutschen Geiste nahe, vielleicht sogar näher verwandt ist als dem italienischen, daß er öfters für deutsche Sinnesart (z. B. in Nistsw äel vostg,) tiefes Verständnis an den Tag gelegt hat, war jedoch für unsern Entschluß, ihn dem deutschen Publikum vorzustellen, weniger bestimmend als der Umstand, daß wir in ihm eiue der glänzendsten, international bedeutendsten Erscheinungen unter den Streitern um die idealistische Wiedergeburt der Literatur begrüßen dürfen.