Menschenfrühling
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genanntem Tage Hans Rödel, ein Aschenbrenner von Bischofsgrün, mit seinem Weibe zum Ochsenkopf hinan, um für seinen Zweck geeignete Bäume auszusuchen, und gelangte von ungefähr in eine mit gleißenden Schätzen angefüllte Kammer. Aber ein grimmiger schwarzer Hund hielt Wache dabei. Erschrocken eilte er zurück au das Tageslicht, um sein Weib herbeizurufen. Als er mit diesem zurückkehrte, kvunte er den Eingang zur Schatzkammer uicht mehr finden. Geister spielen auch iu dem Walenbüchlein eiue große Rolle. Klaus Gindel von Venedig — „oder woher er sonsten von der nächsten Stauden gewesen," setzt Will im Hinblick auf die echt germanische Namensform hinzu — besuchte nach den von ihm hinterlassenen Aufzeichnungen zweimal mit seinem Bruder den Fichtelberg uud fand an zahlreichen Stellen, die er einzeln namhaft macht, gediegnes Gold und Silber, Diamanten und Rubinen, warnt aber die Lente vor den höllischeu Geistern, die die Schätze bewachten uud schon manchem den Tod gebracht hätten. Will schwört übrigens durchaus nicht ohne weiteres auf diese Walenbüchlein. Er gibt zwar zu, daß in frühern Zeiten als Hausierer verkleidete venezianische Goldsucher den Fichtelbergern wohl Hecheln und Mausefallen gebracht und heimlich edles Erz dafür weggetragen haben mögen, aber ob die von ihnen herrührenden geheimen Aufzeichnungen irgendwelchen Wert hätten, darauf müsse, so meint er, doch erst die Probe gemacht werden.
Menschenfrühling
von Charlotte Niese (Fortsetzung)
itci erklärte jetzt das Kaffeetrinken fiir langweilig und verlangte den Garten zu sehen. Sie bewunderte ihn aber nicht, obgleich er schöne alte Bäume und Nasenplätze hatte, sondern erzählte gleich von den Hainburger Gärteu an der Elbe und au der Alster. Und dann berichtete sie andre Dinge. Von Theater und Konzerten, von Schauspielern, die „süß" waren, und von andern juugcn Herren, mit denen sie Briefe wechselte, vom Heiraten und von andern Dingen, die sie nur geheimnisvoll flüsternd mitteilen konnte, während sich die jüngern Kleinstädterinnen um sie drängten und begierig jedes Wort einsvgen.
Nur Anneli stand wieder abseits unter den Bäumen, betrachtete die blühenden Büsche und Rosen, sah in den granen, bleiernen Himmel über sich und wünschte zum erstenmal in der kleinen versteckten Nische bei ihres Onkels Zimmer zu sitzen und nur seine leise Stimme zu hören. Keins der Mädchen bekümmerte sich um sie. Die gingen jetzt alle Arm in Arm um den Nasen, lachten manchmal gellend aus und versanken dann in andachtvolles Schweigen, bis es Rita Makler von neuein einfiel, nach der kleineu buutgekleideten Gestalt in der Ferne zu schaue», worauf sie Christel leichthin fragte, ob man sich nicht mit diesem Kinde, das doch nicht zu ihnen paßte, einen Spaß machen könnte. Einen Spaß? Christel dachte nach, und dann blitzte es in ihren Augen auf. Für einen Spaß war sie immer zu haben, auch wenn er schlecht war. Und Rita war außerdem augenblicklich ihre liebste Freundin, der man schon einen Gefallen tun mußte.