Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Das hat Tante Fritze getan!
Auneli fühlte eine dumpfe Wut in sich aufsteigen, aber sie antwortete einigermaßen ruhig.
Wer ist Taute Fritze? fragte die andre, und Christel übernahm die Antwort. Sie war heute besonders übermütig und wollte zeigen, wie „erwachsen" sie schon sprechen konnte.
Hast du die alte Pcmkow noch nicht gesehen, Rita? Sie kommt doch auch zum Bürgermeister und triukt hundert Tassen Kaffee. Papn sagt, daß sie bald abrutschen wird, weil sie etwas am Herzen hat. Das tut auch nichts, sie ist eiu alter Drache, und die Tiere auf Annelis Kleid sind Photographien von ihr, nicht wahr, Anneli?
Abrutschen? wiederholte diese verwirrt, und die größern Mädchen lachten wieder, weil die Kleine nicht wußte, daß Abrutschen sterben bedeutet. Christel lachte am lautesten. Neulich schon hatte sie Anneli erzählen wollen, daß Tante Fritzcs Tage gezählt wären. Ihr Papa hatte es beim Essen zu ihrer Mutter gesagt.
Ärzte köuuen sich auch irren! schob des Pastors Röschen ein, die Mitleid mit Annelis verstörtem Gesicht zu haben schien, aber Anneli dachte wenig an Tante Fritze, sondern nur daran, daß die ältern Mädchen nicht so nett waren, wie sie es erwartet hatte.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Rcichsspiegel. (Die Presse an Bismarcks Geburtstag. Das Hafenkommando von Casablcmcci. Bismarck und Algeciras. „Die Finanzreform.")
Der erste April ist auch diesesmal, wie alljährlich, von einer größern Anzahl deutscher Zeitungen mit einem dankbaren Gedenken an Bismarcks Geburtstag begangen worden. Es ist das eine hochcrfreuliche Erscheinung, denn — wie Kaiser Wilhelm der Erste einst seinem Kanzler zum siebzigsten Geburtstage geschrieben: „Es ziert die Nation in der Gegenwart, und es stärkt die Hoffnung ans ihre Zukunft, wenn sie ihre hochverdienten Männer feiert und ehrt." Der Name Bismarck wird hoch in Ehren fortklingen, solange es ein Deutschland und Deutsche gibt. Jüngere Geschlechter, die von den Streitigkeiten unsrer Tage unberührt sind, werden in staunender Ehrfurcht die Generation beneiden, in deren Mitte der Riese gelebt und gewirkt hat, mit der er im Gigantentritt durch seiue Zeit geschritten und mit unbeugsamen Armen das Reich gebaut, des Reiches Geguer gebeugt oder gebrochen hat. So selten aber große weltbeherrschende Gestalten in der Geschichte sind, so wenig erscheint es zulässig, den Maßstab, den man an sie anlegen durfte, auf ihre Nachfolger anzuwenden. Daß die Frage dereinst kommen würde: Ist kein Bismarck da? — ist nach 1890, zu seinen Lebzeiten, oft genug ausgesprochen worden, und die Zeiten der Not werden dereinst vielleicht nicht ausbleiben, die zu eiuer solchen Frage berechtigen. Um so vorsichtiger aber sollte man damit umgehu. Wenn jetzt zum Beispiel die Berliner Volkszeitung fragte: Ist kein Bismarck da? weil wir in Algeciras nicht die Konferenz abgebrochen haben, als die Franzosen erklärten, sie wollten den künftigen Polizeiinspekteur nicht zum Hafenkommandanten von Casa- blanca haben, oder als die entstellte russische Note im Pariser rswxs erschien, so entwertet das Spiel mit Worten die Heiligkeit eines solchen Gedankens. Casablanca War für Deutschland keine Prinzipienfrage, und eine Konferenz, zumal eine solche, die nicht auf der Unterlage einer militärischen Entscheidung zusammentritt, kann zu