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Im Lande des Kondors : Plaudereien aus Chile :
(Schluß)
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Im Lande des Kondors

Plaudereien ans Lhile von Aliiert Daiber (Schluß)

lank den Vorzügen seines Klimas ist Chile eines der gesundesteil Länder der Erde, ungefähr wie Neuseeland oder Kalifornien. Wären die hygienischen Verhältnisse nicht so trostlos, so wüßte ich kein schöneres, gesünderes Land zum Leben als das des I Kondors. Pocken und Typhus, dieser in Valparaiso geradezu endemisch, gehören zu den schlimmsten Feinden der Bewohner. Die Lungen­tuberkulose ist leider weit verbreitet. Mit daran Schuld trägt die üble Ge­wohnheit des Ausspuckens der Leute, wo sie gehn und stehn, das Sammeln der Jnfektionsleime dnrch das Schleppen der Fraueukleider auf den Straßen und das Belegen der Wohnräume mit Teppichen, die, weil sie fest aufgenagelt sind, nie gründlich gereinigt werden können. Gelbes Fieber geht über die Atacama nicht hinaus. Dysenterie grassiert zuweilen. Häufig sind Luugeneutzüudungcu, die Folge der großen Temperaturschwankungcn. Tetanus (Starrkrampf) ist äußerst selten, ein Zeichen, daß eigentlich infizierter Boden in Chile nicht existiert.

Aber alle die hier angeführten schweren Infektionskrankheiten könnten durch geeignete Maßregeln, dank der bakteriziden Kraft des hier so intensiven Sonnen­lichtes, des einzig schönen Klimas und des relativ leichten Kampfes seiner Be­wohner um die üußeru Lebensbedingungen auf ein Minimum reduziert werden, wenn eben andre Negierungsverhältnisse, bessere Volksbildung, allgemeinere Auf­klärung über die natürlichsten Dinge der Welt herrschen würden. Geradezu erschreckend in ihrer Verbreitung herrscht die Syphilis. Ihr schreibt man auch die Ursache von 75 Prozent der Sterblichkeit der Neugebornen zu. Wie dem auch sei, Tatsache ist, daß eine ungeheure Kindersterblichkeit die sonst stannens- werte Reproduktionskraft der Nation so ziemlich wieder aufhebt — eine ernste Mahnung an die Machthaber!

Mit den schon erwähnten Erdbeben, den innern Gewalten, steht die lang­same Hebung der chilenischen Küste möglicherweise in Verbindung, was ich hier nur kurz anführen möchte. So wurde in den letzten zweihundert Jcchreu die Küste bei Valparaiso allein um etwa 5,8 Meter gehoben. Wie viele verschieden wirkende Kräfte hier im Spiele sind, mag deni Urteile des Fachmanns vor­behalten bleiben.

Den verschiednen klimatischen Zonen des Landes eutspricht auch wieder die Verschiedenheit der ebenso eigentümlichen wie artenreichen Flora. Während im wasserreichen, > feuchten Süden noch Urwälder sind, die bis hoch hinauf in die