Die Bedeutung des Adels für unsre Armee
ehr noch als der Verlauf des Krieges in der Mandschurei hat neuerdings die Revolution in Rußland gezeigt, daß dor ein Offizierkorps fehlt, das in jeder Hinsicht auf der Hohe semer Aufgabe steht. Soll ein Offizierkorps den schwierigen An- _ fordernngen genügen, die die Erziehung und die Führung heutiger Volksheere stellen, soll es eine Autorität haben, die cmch in den schwierigsten Lagen sowohl gegen den äußern wie gegen den innern Feind felsenfest steht, so muß es uicht uur körperlich uud geistig frisch und gesund sem. sonderu auch in gesellschaftlicher Hinsicht auf der Höhe stchu. Das letzte aber trifft fm die Masse des russischen Offizierkorps nicht zu. und hierdurch erklart sich Zum Teil sein Versagen bei den vielen Soldatcnmentereien. Allerdings haben hierbei auch audre Umstände mitgesprochen. Es kann nicht wundernehmen daß auch das Offizierkorps von dem nnreifen. mit weichlichen, falsch verstandneu Humanitären Gedanken durchsetzten politischen Radikalismus, wie er m den weitesten Kreise« des Adels und in der gesamten russischen J"^Muz ^ erfüllt ist. uud es wäre ungerecht, deu Einzelnen für die Klaffe Auffass g nuer ganzen Klasse verautwortlich zu machen. Darnm aber steht su rm. d°ch fest, daß wo in eiuem Offizierkorps hochgefpanntes Ehrgefühl und die männliche Auffassung herrschen, nach der das eigne Lebeu nichts gilt gegen oa. Gebot der Pflicht, für deu Soldaten der Weg zur Meuterei uur über d wichen der Offiziere führt. Eine so hohe Pflichtauffassung aber ^ nur u den Söhnen solcher Kreise, in denen nubedingte Ergebenheit an das Herrscher- Haus von alters her lebendig ist. «.s, Man wird einwenden, daß die prenßische Armee von 1806. obw hl sich ihr Offizierkorps solcher Ergebenheit rühmte, deuuoch geschlagen worden i t. Auch haben wir a schon w Reichstage die Anküudigi.ng vernommm das sich die bernfsmäßigen Anfeinder unsers Offizierkorps die wlll^ hnt des hundertjährige,. Gedenktages von Jena uud Auerswdt ^ntg h lassen werden, über die sogenannte Junkerarmee von damals he«^ ist ja häufig auch von national gesinnten, ehrlich liberalen Geschichtschreibern
Grenzbotm I 1906