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Eine unheimliche Persönlichkeit
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Menschenfrühling

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gelitten hatte," und die von der frommen, tugendreichen Gräfin patronisiert wurde. Im Laufe der Zeit scheint diese aber dennoch Mittel und Wege ge­funden zu haben, wenn nicht ihren Gatten, so doch irgendwelche andre zuver­lässige Ratgeber ins Vertrauen zu zichn. Vielleicht ihren Beichtvater, und es war wohl dem geheimen, in dieser legitimistischen Welt so weitreichenden Em- fluß der Geistlichkeit zuzuschreiben, daß später eine merkliche Veränderung in dem Verhalten der gräflichen Familie und der ihr befreundeten Kreise gegen Savalette eintrat. Unmerklich vernachlässigte man sie, die Türen der Salons schlössen sich vor ihr. die ihr geschriebnen Briefe wurden kürzer und kühler. Es scheint, daß viele um das dieses ..Fräulein" umhüllende Geheimnis wußten, daß man es nicht mehr fürchtete. Um den Skandal nicht öffentlich zu machen, vermied man. die Justiz in Anspruch zu nehmen. Aber wie durch eine Art Freimaurerei, die in den Schleier des Geheimnisses eingehüllt betrieben wurde, machte man den Eindringling machtlos und schützte Ehre und Namen der be­dauernswerten Gräfin vor seinen Bedrohungen. Dieses Verhalten bezeugt die Fülle von Sympathien, die sich diese durch ein bis auf den Fehltritt ihrer Jugend so fleckenloses, tngendreiches Leben erworben hatte. Von dieser Zeit an scheint die angebliche Savalette viel von ihrem frechen Sicherheitsgefühl ver­loren zu haben und beginnt jene Reihe von Domizilveränderungen, die be­sonders eine Eigentümlichkeit ihrer letzten Jahre wurden. Auch als die Zeitungen den eigentümlichen Vorfall erörterten, drang aus der legitimistischen Gesellschaft keine Stimme in die Öffentlichkeit, die den Namen der Gräfin de S. R. m Verbindung mit jenem in Versailles gestorbnen Unbekannten gebracht hätte. Ein für unsre Zeit der ausgedehntesten Reportage schier unbegreifliches Bei­spiel des stolzen sozialen Gemeinsinnes und des nun in Frankreich fast ver- schwundnen Kastengeistes jener in den Leidensjahren der großen Revolutionszeit 5est zusammengeschweißten legitimistischen Adelskreise, die zur Ehrenrettung des Namens einer alten Familie trotz zahlreichen Mitwissern das Geheimnis sogar treulich zu bewahren wußten, daß alle amtlichen, offiziellen Erhebungen erfolglos

Ll>. Freiherr von Fabrice

verliefen

Menschenfrühling

von Lharlotte Niese 1

ie Leute sagten, es wäre herrlich, ein Kind zu sein; Anneli Pankow konnte das nicht begreifen. Neun Jahre war sie alt, und sie fand die Kindheit nicht leicht. Das ganze Leben mußte schwer sein; ihr Vater hatte es immer gesagt, und deshalb war er wohl auch leise davongegangen. So leise, daß sie es nicht gemerkt hatte, obgleich sie neben seinem Zimmer schlief. Alle, die ihn kannten, sagten nachher, s wäre gut so gewesen. Die Frau Bttckermeisterin, die Anneli gleich ins Haus "Hm, versicherte es unter reichlich fließenden Tränen und lachte bald darauf wieder erzlich. Denn sie sagte, Gott und die heilige Jungfrau hätten ihr das Leben