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Weihnachten 1905 in Estland : Tagebuchblätter
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Line unheimliche Persönlichkeit

Aufruhrs erzeugt, die sich uicht sv leicht niederkämpfen läßt, die sich immer wieder in verheerenden Ausbrüchen Luft schaffen und nicht eher ruhen wird, als bis sie das Land in eineu rauchenden Trmnmerhaufen verwandelt hat. Durch Waffengewalt ist jetzt wenigstens hier im Westen die Nuhe notdürftig wiederhergestellt worden, aber es ist eine Ruhe vor dem Stnrm, eine Pause zwischen zwei Windstößen, von denen der zweite noch verheerender sein wird, als der erste war. Schon beginnen die Beamtenkreatnren, die gleich nach den ersten Schreckensnachrichten in die Städte geflüchtet waren, zurückzukehren und ihr lichtscheues Treiben wieder aufzunehmen, schon verlautet, daß der Unter­suchungsrichter in Hapsal einige schwere Verbrecher, die die Herren vom Selbst­schutz mit Lebensgefahr eingcfangen haben, auf freien Fuß gesetzt hätte. So müssen wir nicht bloß mit den Revolutionären, sondern cmch mit den Beamten kämpfen, die in ihrem blinden Deutschenhaß jeden Raubmörder und Pferdedieb uns gegenüber in Schutz nehmen. Gelingt es uns nicht, sie los zu werden, so ist das Deutschtum in den Ostseeprovinzen verloren. Sobald das Militär abzieht, wird auch der Aufruhr aufs neue ausbrecheu. Uud weuu trotz der demoralisierenden Tätigkeit der Beamten uud der aufgestachelten Leidenschaften der Friede dauernd sein sollte, wenn es auch gelingen würde, die wilderregten Massen zu besänftigen, so stehn doch uuserm Lande sv schwere Zeiten bevor, wie es sie seit zweihundert Jahren nicht gesehen hat. Die vielen ruinierten Familien werden andre mit sich ins Verderben reißen, uud der Mnugel an Brot uud Arbeitsgelegenheit wird schließlich auch die friedlichsten Lente zwingen, den Pflug mit der Flinte zu vertauschen. So leuchtet uns kein Steru, kein Lichtstrahl iu der heiligen, guadenbringenden Christnacht! Sorge und Not löschen uns die Weihnachtskerzen aus und lassen keiner rechten Weihnachts­stimmung Raum. Fast wie Spott, wie grausamer Hohu kliugt die frohe Christ­botschaft denen, die heute an rauchgeschwärzten Manern nnd verkvhlten Balken stehn, wo einst ihr trautes Heim gestanden hat, die mit dem Bettelstab in der Hand die heißgeliebte Scholle verlassen müssen, auf der sie alt uud grau ge­worden sind, der ihre ganze Lebensarbeit geweiht war. Gott gebe, daß wir nie wieder so trcmrige Weihnachten feiern!

(Line unheimliche Persönlichkeit i

n einer ärmlichen Wohnung am Marche Neuf zu Versailles fanden am 6. Mai 1853 mitleidige Nachbarinnen, die sich des hier wohnenden alten und seit einigen Tagen erkrankten Fräuleins Henriette-Jenny Savalette de Langes annehmen wollten, diese nur mit dem Nachtgewnnd und der großen Hanbe, ohne die sie nie­mand je gesehen hatte, bekleidet, tot neben ihrem Lager liegen. Mit dem zur Übernahme des Nachlasses herbeigernfnen Friedensrichter erschien der Gerichts-