Weihnachten l.y05 in Lstlmid
C.65
?i>ix, iiinitie vl siÄtsrnitv! so nngestnm »nr den Hals, als wen» er sie erdrücken wvllte. Es waren keine leeren Worte, die er sprach; denn er hatte bei der Kapitulation von Warschau eine Großmut bewiesen, die alle überraschte.
Die Selbständigkeit, die sich Semuc unbekümmert um die Meinung der Welt in der Beurteilung großer Persönlichkeiten bewahrte, zeigt sich nirgends deutlicher als iu der Charakterisierung Alexander Suwvrows, Der Sieger von Ismail und Praga, dessen Name voll den meisten seiner Zeitgenossen nur mit scheuem Entsetzen genannt wurde, flößte ihm ein Interesse ein, das sich bald znr Bewunderung steigerte. Er fand in ihm einen Mcmn von vielseitiger Bilduug, sogar von poetischer Begabung; Lieven zeigte ihm eines Tages einen Rapport des Generals, der in Versen voller Schwuug abgefaßt war. Vor allem aber fühlte sich Senmes starke Natur unwiderstehlich angezogen von der furchtbaren Energie, die der Gruudzug im Charakter Suworows war, aber — wie Seumc richtig erkannte — sobald ihr Zweck erreicht war, weichern Regungen und dem Gefühle der Humanität Platz machte. Es gehörte kein geringer Mut dazu, ein solches Urteil in einer Zeit anszusprechen, iu der die deutschen Schriftsteller fast ohne Ausnahme Suworow ihren Landsleuten als einen neuen Tamerlau, als Schlächter, Würger und Henker schilderten. Aber Seume ist auch für die Schwächen seines Helden nicht blind. Manche seiner barocken Züge glaubte er auf die Absicht zurückführen zn dürfen, seine Popularität bei dem Soldaten und dem gemeinen Manne zu erhöhen. So auch zum Teil seine allrussische Bigotterie, von der er aus jenen Warschauer Tagen einen heitern Zug erzählt. Ein Hauptmaun hatte die Gebetsformel, die er des Abends vor der Parade beim Zapfenstreich hersagen mußte, abgekürzt. Wütend sprang der Fcldmnrschall auf ihn zu und schrie ihn au: „Du gewissenloser, entsetzlicher, gottvergessener Mensch, du willst den Himmel betrügen, du willst gewiß auch mich und die Kaiserin betrügen! Was willst du hier? Ich werde dich wegschicken."
Von dem grenzenlosen Vertrauen, das die Soldaten in seine Führung setzten, hatte Seume selbst währeud des Augriffs auf das Jgelströmsche Palais ein merkwürdiges Beispiel erlebt. „Ja wenn Vater Suworow hier wäre, sagten die Grenadiere mitten im Feuer, so würde es sehr kurz gehn."
(Schluß folgt)
Weihnachten M5 in Gstland
Tagebnchblätter von A. von Hoyningen Hnene
raurige Weihnachten haben die baltischen Deutschen verlebt. Tausende irren, nm Hab und Gut gebracht, im Lande nmher oder suchen jenseits der Greuze eiu ucues Heim; als Christgeschenk wurde ihneu die bitterste Not beschert, als Weihnachtskerzen leuchteten ihnen ihre brenueudeu Häuser. Was von Geueratiouen geschaffen vrden ist, haben wilde Pöbelhaufen in wenig Tagen vernichtet. Ausgebrannte '^auser, verödete Höfe, flüchtende Familien, wohin sich das Auge mich wendet.