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Mein freund prospero
von Henry Harland (Schluß)
er war es nur gleich, der von irgend jemand gesagt hat, daß er einen Lord so innig liebe? fragte Maria Dolores Frau Brandt, indem sie den Kopf zurückwarf.
Das weiß ich nicht, erwiderte diese und strickte gelassen weiter. Nun, aber das wirst du wenigstens wissen, ob es einem Ehepaar ! möglich ist, mit sechs Pence die Woche üppig zu leben! Ist das möglich? fragte sie weiter.
Du weißt so gut wie ich, daß dies unmöglich ist, sagte Frau Brandt. Aber wie wärs mit sechshundert Pfund jährlich?
Sechshundert Pfund —? Frau Brandt rechnete. Sechshundert Pfund — das wäre ungefähr sechstausend Gulden, nicht? Nun, das käme ganz auf ihre gesellschaftliche Stellung an.
Nun, nehmen wir einmal an, es wäre etwa meine gesellschaftliche Stellung — und die meines Lords?
Du, sagte Frau Brandt und lachte vor Vergnügen, indem sie den Kopf schüttelte. Du würdest ja allein für deine Kleider das Doppelte brauchen.
Man könnte sich ja auch einfacher anziehn.
Nein, erklärte Frau Brandt, und ihre guten Augen leuchteten, nein, du mußt immer das Schönste und das Beste tragen, was es gibt.
Aber was soll ich denn da tun? fragte Maria Dolores nachdenklich. Sei» ganzes Einkommen beträgt ja nur sechshundert Pfnnd!
Wenn ich mich nicht sehr irre, hast du auch selbst ein eignes Einkommen, bemerkte Frau Brandt.
Ja, gewiß — aber er will nicht, daß ich es verwende.
Er? Wer? fragte Frau Brandt, indem sie erstaunt aufsah, wer ist der Er, der es wagen könnte, dir vorzuschreiben, was du zu tun und zu lassen hast?
Mein künftiger Gatte; er hat nämlich sehr heikle Ehrbegriffe und verabscheut den Gedanken, eine Frau zu heiraten, die reicher ist als er selbst. Deshalb will er mich nur nehmen unter der Bedingung, daß ich mein Geld ins Meer versenke, wo es am tiefsten ist.
Was ist das wieder für ein Unsinn? sagte Frau Brandt gelassen.
Nein, es ist die Wahrheit, die volle Wahrheit! Er ist zu stolz, als daß er auf Kosten seiner Frau in Luxus leben könnte.
Der Mann gefällt mir, der Bedingungen stellt, wenn es sich darum handelt, dich zu heiraten, sagte Frau Brandt spöttisch.
Mir auch, versicherte Maria Dolores voll Aufrichtigkeit.
Immerhin ist es mir eine Beruhigung, daß er nicht wegen deines Geldes hinter dir her ist.
Ich glaube, wir werden uns in Sackleinen kleiden und von Linsen und dergleichen nähren müssen, sagte Maria Dolores.
Selbstverständlich erklärst du ihm, er solle seine Bedingungen zum Kuckuck jagen, für dich ist eine Änderung deiner Verhältnisse doch völlig ausgeschlossen.