Siebeneichen und Scharfenberg, die Burgen der deutschen Romantik 55?
hervorholte, zu vertiefen. Mitten im Gefecht wandte sich einmal Jgelström an Seume mit der Frage: Nov. onor, aus äeviövcirovs nous? Seume antwortete: Votrs Vxvsllönvk, vous ssrons tuvs ou xris. — Non euer, vou8 rackotgü, erwiderte der General unmutig und ritt weiter. Wohl wußte auch er schon, daß Nowitzki die Stadt geräumt hatte. Aber er war überzeugt, daß er dies nur getan habe, um sich durch Vereinigung mit dem preußischen Detachement zu verstärken; er zweifelte nicht daran, daß er unter dem Schutze der Nacht wieder zurückkehren werde. So antwortete er Pistor, als dieser ihm vorschlug, am Abend um zehn Uhr aus seinem Quartier auszubrechen und aus der Stadt zu ziehn. Er wollte um so weniger von einem solchen Wagestück wissen, als die ermüdeten und hungrigen Soldaten schon einen bedenklichen Mangel an Subordination zeigten. Nicht wenige zerstreuten sich in die benachbarten Häuser, um dort zu Plündern und sich zu betrinken. Seume selbst war Zeuge davon, wie sich ein Trupp Soldaten im Hofe des Kommissionshauses, das an der Ecke der Meth- straße lag, um ein Faß Branntwein lagerte, das sie erbeutet hatten, und sich betrank, ohne sich um die Befehle der Offiziere oder die feindlichen Kugeln zu kümmern, die ihnen um die Köpfe flogen. „Was wollen Sie mit solchen Leuten unternehmen?" sagte der General einmal zu Pistor. Nur das eine erlangte dieser, daß Jgelström, als es dunkel wurde, eine halbe Eskadron an den Generalleutnant Wolki, der das preußische Detachement befehligte, schickte mit dem Ersuchen, nach dem westlich von Warschau liegenden Wola, wohin, wie man meinte, Nowitzki sich gewandt Hütte, zu rücken und gemeinschaftlich mit diesem nach der Stadt zu marschieren.
(Fortsetzung folgt)
Hiebeneichen und scharfenberg, die Burgen der deutschen Romantik
von Otto Eduard Schmidt
on den frühern Richtungen des deutschen Geisteslebens und der deutschen Literatur ist gegenwärtig keine so beliebt und beinahe wieder so modern geworden wie die Romantik, die eigentümliche, aus den verschiedensten Wurzeln hervorsprießende Denkweise, die im letzten Jahrzehnt des achtzehnten Jahrhunderts eine, wenngleich nicht völlig durchgreifende, so doch sehr bemerkenswerte und folgenreiche Revolution gegen den herrschenden Geschmack, namentlich auf dem Gebiete der Philosophie, der Kunst und der Religion unternommen hat. Die Anfänge der romantischen Bewegung, die sich gegen die rein verstandesmäßige Differenzierung der Wissenschaften und der Künste, gegen den übertriebnen Klassizismus und Rationalismus wandte, gingen zwar zunächst mit viel unklarer Schwärmerei und Verworrenheit, mit viel Weichlichkeit und Lüsternheit, mit viel großen Worten bei mangelndem Inhalt oder dürftiger Gestaltungskraft einher. Diese Bewegung gewinnt aber in ihrem Fortgange an innerer Kraft und Reinheit, sie befreit das deutsche Volk aus den Fesseln eines abgeschmackten Kosmopolitismus und eines verblaßten Klassizismus Grenzboten I 190K 72